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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1903-01-01 · (I.) 1903 - 5664 (1903) · page 277

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
(I.) 1903 - 5664 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 277)
Language
German
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271 etwa, wie man bisher anzunehmen gewohnt war, eine geistige Öde herrschte, dass vielmehr auch dort die Thora gepflegt wurde, ist aus vielen Stellen ersichtlich. (S. übrigens auch Grätz IV, 1. Aufl. S. 312.) Wer vom Ausland einen Scheidebrief nach Palästina überbrachte, musste die vorschriftsmässige Ausfertigung und Unterzeichnung desselben bezeugen können, und zwar nach einer Ansicht wegen der dort herrschenden Unkenntnis des Gesetzes; Babylonien aber wurde in dieser Hinsicht Palästina gleichgestellt1). Die Zulassung zum Priestersegen galt seit alten Zeiten als Zeugnis für die priesterliche Herkunft2), aber nur in Palästina und den angrenzenden Ländern, weil dort die Thoragelehrten die Herkunft derer prüften3), denen man die Erteilung des Priestersegens gestattete; auch hierin wurde Babylonien der gleiche Bang zuerkannt. An verschiedenen Stellen wird von palästinensischen Amoräern auf ,,die Lehrer im Lande des Exils“ (רבותינו שבגולה) Bezug genommen, wo nur hervorragende Lehrer aus früheren, tannaitischen Zeiten gemeint sein können4). Da wir aus den Berichten des Josephus wissen, dass die jüdische Bevölkerung in Babylonien eine sehr zahlreiche war, so hat die Annahme, dass dort auch das Thorastudium gepflegt wurde, von vornherein grosse Wahrscheinlichkeit5). Es fehlt auch nicht an Beweisen dafür, dass auch in Babylonien ein reges Gemeindeleben sich entwickelt hatte; bezüglich mancher rituellen Gebräuche hatten sich feste Normen gebildet6), die wohl auch von den in Palästina üblichen abwichen7). Wo man indessen in Babylonien in rituellen Fragen eine andere Auffassung hatte, wurde dieselbe meistens auf die früheren Lehrer zurückgeführt8), woraus ebenfalls ersichtlich ist, dass es in Babylonien alte Autoritäten gab, auf welche man sich als auf die Begründer jener Normen berufen konnte. Namen von Thoragelehrten werden uns allerdings erst aus der Zeit der späteren Tannaiten überliefert. R. Akiba trifft bei seinem Aufenthalt in Nehardea mit Nehemia aus Beth Deli zusammen, der ihn über eine halachische Frage um Auskunft bittet. Er war ein Schüler von R. Gamliel 4) Jerusch. Gittin 1,2; Tosaphot Gittin 6. 2) Tosephta Ketubot 3; Tos. Ketubot 25. 3) Raschi z. St.4) Jerusch. Sabbat 5,4; Challa 4, 4. ß) Frankel, דרכי המשנה S. 188. 6ז) Taanit 10; Chullin’ 93. 7) Sabbat 35; Chullin 50; Aboda Sara 30. 8) Nidda 14; Sabbat 156.

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