Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 276)
- Language
- German
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270 sein Wissen aus Babylonien mit, und R. Scherira spricht in seinem Sendschreiben von dem Lehrhause Esras, das in der Nähe von Nehardea gewesen sein soll. Als Esra Babylonien verliess, um in Palästina die Lehre neu zu begründen, hatte er nur einen verhältnismässig geringen Anhang. Yon den Söhnen LeviV hatte sich ihm zuerst niemand und dann auf besondere Aufforderung nur wenige angeschlossen'); und doch waren ja gerade Priester und Leviten die Träger der Lehre. Wenn diese in Babylonien zurückblieben, so ist anzunehmen, dass auch dort ein reges geistiges Leben sich entfaltete. Der Schwerpunkt des religiösen und nationalen Judentums war aber natürlich mit der Erbauung des Tempels nach Palästina gerückt, und so sind über die Entwicklung der Dinge in Babylonien nur ganz spärliche Nachrichten auf uns gekommen. Ist ja die Periode der Sopherim selbst in Palästina noch in tiefes Dunkel gehüllt. Einen Lichtstrahl auf den Stand d׳'s Thorastudiums in Babylonien wirft das Auftreten Hillels ,,des Babyloniers“. Zweimal zog Hillel aus seiner Heimat nach dem heiligen Lande, dem Mittelpunkt der Lehre und der Ueberlieferung. Er hatte sich bereits in Babylonien ein grosses Wissen erworben, als er nach Palästina kam, um über einige ihm zweifelhaft gebliebene Halachot bei den Meistern der Ueberlieferung Aufschluss zu erlangen2). An der Spitze des Synhedrion standen damals Schemaja und Abtalion, und in ihrem Lehrhause suchte jetzt Hillel seinen Wissensdurst zu stillen. Ueber die Opferfreudigkeit und den Eifer, mit welchem Hillel sich dem Thorastudium hingab, wird uns im Talmud3) ausführlich erzählt. Er kehrte dann wieder nach seiner Heimat zurück, um dort längere Zeit zu verweilen. Es lässt sich annehmen, dass er während dieser Periode nicht untätig war und auch in Babylonien für die Verbreitung der Lehre wirkte. Zur Zeit der Kämpfe zwischen Hyrkan und Aristobul, als das Thorastudium in Palästina sehr gesunken war, kam er zum zweiten Male dorthin; durch die Lösung einer schwierigen Streitfrage offenbarte er seine hervorragende Gelehrsamkeit, und es wurde nun die Fürstenwürde, auf welche die Söhne Bethera freiwillig verzichteten, ihm übertragen. Dass in Babylonien überhaupt nicht ') Esra 8, 15 ff. *) Jeruschalmi Pesachim 6, 1. ') Joma 35.