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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1903-01-01 · (I.) 1903 - 5664 (1903) · page 275

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
(I.) 1903 - 5664 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 275)
Language
German
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IRI
…/3486266-3486267--0275-3486634
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Babylonien um das Ende der Tannaitenzeit.*) Von Dr. Isak Unna, Rabbiner in Mannheim. Mit der Zertrümmerung des jüdischen Reiches durch Nebukadnezar hatte das jüdisch-nationale Leben auf dem Boden Palästinas aufgehört. Die Hauptmasse des Volkes wurde nach Babylonien geführt, wohin Nebukadnezar schon elf •Jahre früher, bei der Entthronung und Gefangennahme des Jojachin, einen Teil der Einwohnerschaft des heiligen Landes verpflanzt hatte. Die Zer- Störung des nationalen Lebens bedeutete jedoch nicht den Untergang des Volkes; wie bei dem zweiten Entscheidungskampf mit Rom Rabbi Jochanan ben Sakkai, den Untergang des Staates voraussehend, das höchste Kleinod Israels, die Lehre, aus der dem Verderben geweihten Stadt rettete und in Jabne eine Stätte für sie errichtete, die dann den Mittelpunkt eines neuen geistigen Lebens bilden sollte, so waren nach einer alten Ueberlieferung J) schon bei jener ersten Exilierung mit Jojachin eine Anzahl von Gelehrten nach Babylonien gekommen, so dass die Erhaltung der Geistesschätze Israels dadurch ermöglicht war. Auch die Tätigkeit der unter den Verbannten lebenden Propheten, insbesondere Jecheskels, war darauf gerichtet, das religiöse Gefühl im Volke zu stärken und die Liebe zur Thora zu wecken und zu pflegen. Das Eintreffen des von den früheren Propheten so lange verkündigten Strafgerichts hatte seines Eindrucks auf die Gemüter nicht verfehlt: man schöpfte daraus die Hoffnung, dass auch die glückverheissenden Weissagungen sich erfüllen würden, und diese Zuversicht führte zu einer Erstarkung des nationalen wie des religiösen Bewusstseins. Zweifellos gab es auch geistige Mittelpunkte, wo das Gesetz studiert und gelehrt wurde; brachte doch Esra, der grosse Organisator des religiösen Lebens in Palästina, der als ״erfahrener Schriftgelehrter“ bezeichnet wird, *) Die Darstellung beruht im wesentlichen auf Halevys Dorot Harischonim. ') T. Gittin 88a.

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