Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 269)
- Language
- German
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268 Horaa nahm dort sehr ab; wer von Babylonien dort war, wie Rabin und R. Dimi, zog herab und ebenso alle diejenigen, die hierher herabkamen.“ Diese Verfolgungen fanden gegen Ende des vierten Amoraimgesehlechtes statt, in den letzten Jahren R. Jochanan’s und R. Jose’s; ihr Sohn und Schüler R. Mani sah sich dadurch gezwungen, mit den Gelehrten der Hochschule von Tiberias nach Sipporis zu übersiedeln. Sipporis ist für die nächsten dreissig Jahre der Hauptsitz des Thorastudiums im Heiligen Lande und wurde darum auch bei der entsetzlichen Verheerung am meisten heimgesucht, die der fanatische Mitkaiser des Constantins, Gallus, und dessen Feldherr Ursicinus über das Heilige ■Land und seine jüdischen Bewohner 4111—4117 (351—357), bald nach R. Mani’s Tode, brachte. Von dem Unglück der Bewohner von Sipporis lesen wir im Jerusch. Jebamot 16,3: ״In den Tagen des Königs Ursicinus, als den Leuten von Sipporis nachgestellt wurde, klebten sie Pflaster über ihre־ Nasen, um nicht erkannt zu werden, zuletzt wurden sie jedoch verraten und ergriffen.“ Bei dieser gräuelvollen Verfolgung, die w i 1־ in externen Quellen beschrieben finden, wurden die uralten Stätten des Thorastudiums, wie Sipporis, Tiberias, Lydda, von Grund aus zerstört, und die übrig gebliebenen Gesetzeslehrer, zerstreuten sich im Lande, oder flohen nach Babylonien, wie R. Mani’s Genosse, R. Jose b. Abun. In besseren Zeiten zogen Einzelne von diesen wieder nach Palästina herauf. Diese Katastrophe unter Constantins hat die Abfassung des Jeruschalmi jäh unterbrochen, wir besitzen daher in ihm nur einen Torso. Was am Jeruschalmi fehlt, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den Babli vorstellen mit Hinweglassung alles dessen, was von Abbaja’s und Raba’s Zeit an hinzugekommen, wo uns dann vor allem das ganze grosse Werk der Anordnung, des Abwägens und des Abschlusses fehlen würde. Waren stets die Schulen Palästina’s und Babyloniens in innigstem Verkehr mit einander durch hin und her wandernde Gelehrte, so brachten die wiederholt nach Babylonien fliichtenden Gelehrten des Heiligen Landes, die zuletzt dauernd bleiben mussten, die Kenntnis des ganzen Jeruschalmi mit nach Babylonien. Die dortigen grossen Lehrer sassen gemeinsam mit denjenigen des Heiligen Landes im selben Lehrhause, als der Babli geordnet und abgeschlossen wurde. Sechzig Jahre ungefähr hat R. Jochanan dem Lehrhause in Tiberias vorgestanden, und