Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 266)
- Language
- German
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260 ZeitverJiältiiisse. Die Freundschaft Rabbi’s mit dem römischen Kaiser Marc Aurel ist der Beginn und zum grossen Teil wohl auch die Ur- Sache einer fast hundertjährigen Pause in den Gewaltmassregeln der Römer gegen die Juden. In dieses Jahrhundert der Ruhe, das wenige Jahrzehnte nach der Zerstörung Bettar’s mit der Zeit beginnt, da Rabbi den Gipfel seines Ansehens erreicht hatte, und bei dessen Ende wir die Hochschule von Tiberias in höchster Blüte sehen, fällt der bei weitem grösste Teil von R. Jochanan’s Lebenszeit. R. Jochanan lernte das sonst mit dem reissenden Eber verglichene Rom, soweit unsere Nachrichten reichen, bis gegen Ende seines Lebens von der freundlichen und friedlichen Seite kennen. Für die Brüder in Babylonien zitterte er, als mit den Sassaniden dort die Magier zur Herrschaft gekommen waren, während er für die unter dem Schutze Roms lebenden Juden Palästinas keine Gefahr sah. Sein in Babylonien erkrankter Schüler Rabba b. b. Chana tat, als ihn und seine Besucher ein Magier durch Wegnahme des Lichtes störte, den merkwürdigen Ausspruch: ״Barmherziger, wenn nicht in deinem Schutze, dann im Schutze der Söhne Esaus“, der jedoch, wenn man die Judenfreundlichkeit der damaligen Römer dem Fanatismus der persisehen Feueranbeter gegenüberstellt, nichts Befremdendes hat. In den letzten Decennien von R. Jochanan’s Leben trat hierin eine Veränderung ein, die mit ziemlicher Sicherheit auf den damals immer stärker werdenden Einfluss des Christentums zurückzuführen ist. Aus R. Jochanan’s Zeit finden wir nämlich wiederholt Berichte im Babli, die auf ein Verbot der Kalenderbestimmung hinweisen. Die Annahme liegt nahe, dass, bei dem damals heftig entbrannten Osterstreit innerhalb der christlichen Kirche, jene Partei, welche das Osterfest unabhängig von der Festsetzung des Nissanneumondes seitens des jüdischen Patriarchen machen wollte, alle Hebel in Bewegung setzte, um die ganze jüdische Kalenderbestimmung zu beseitigen Bezüglich der Kalenderbestimmung war es besonders leicht, die Römer zu feindliehen Massregeln zu bringen, da sie auf dieselbe stets mit Argwohn gesehen hatten, und bei ihren Religionsverfolgungen zum Ersten, was sie unterdrückten, die Neumondsheiligung gehört. Die Entsendung des R. Chija b. Sarnuki und R. Simon b. Jozadak