Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 264)
- Language
- German
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258 Nach dem Tode R. Ami s, wollte man den R. Abaliu an die Spitze setzen, er aber nannte für den Vorsitz aus Bescheidenheit den R. Abba von Akko, dessen Vermögensverhältnissen er durch das Amt aufhelfen wollte. Man sah in der Tat davon ab, R. Abahu zu wählen, aber auch R. Abba wurde nicht gewählt. Diese beiden greisen Schüler R. Jochanan’s starben bald und, wie oben gesagt, finden wir in Palästina nach R. Ami keinen mehr, der mit der obersten Würde der Gelehrten bekleidet wurde. Der Grund liegt in den traurigen Zeitverhältnissen. Ein Teil der Gelehrten kehrte wohl nach kurzer Zeit, als in Tiberias wieder Ruhe herrschte, dorthin zurück; während des halben Jahrhunderts jedoch bis zu zu den furchtbaren Metzeleien unter Gallus und Ursicinus, die den Hochschulen in Palästina ein Ende machten, konnten sich die Gelehrten keines dauernden Friedens mehr erfreuen. Die grossen Führer lebten nicht mehr am selben Ort, und keine Zentral־ schule mit Vorsitzendem und alter Einrichtung der Metibta konnte mehr gegründet werden. Gewiss hätte man sich in ungestört glücklichen Zeiten wieder zusammengefunden und in einem grossen Lehrhaus wie in früheren Zeiten das Thorastudium gepflegt; unseren grossen Meistern im Heiligen Lande war dieses aber nicht mehr beschieden. Zehn Wanderungen machte nach R. Jochanan’s bekannten Worten das Synhedrion von der Quaderhalle des Tempels bis nach Tiberias, und diese Stadt, in welcher er selbst das zehnte Synhedrion gegründet, blieb die Stätte der letzten Zentralhochschule im Heiligen Lande, die ihren Gründer nur um wenige Jahre überdauerte. Die Geschichte lässt uns so auch den weiteren Ausspruch R. Jochanan’s טבריה משלמת למשיחא dahin verstehen: ״Tiberias bildet den Schluss bis zum Erscheinen des Messias“. R. Jirmija, R. Jona und R. Jose lösen R. Ammi, R. Assi und R. Abahu als geistige Leiter ab. Sie sind die ersten Vertreter des vierten Amoraimgeschlechts in Palästina, denen allen noch das Glück zuteil geworden, R. Jochanan’s persönliche Schüler gewesen zu sein. R. Jirmija war in jungen Jahren von Babylonien herauf gekommen, von ihm sagtRaba (Ketubot 75a): ״Und einer von uns wird wie zwei von ihnen, wenn er hinaufzieht; R . Jirmija verstand nicht, als er hier war, was die Rabbinen sagten; als er dort hinaufgezogen war, nannte er uns einfältige Babylonier.־‘ In der Tat gewinnt R. Jirmija erst in Palästina