Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 259)
- Language
- German
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253 dass er ihn aufs Krankenlager warf. Auch den Umstand, dass R. Jochanan auf die flehentliche Bitte der Verwandten nur Trostworte hatte und ihr keine Hoffnung auf Erhörung des Gebets um Genesung des Kranken machte, können wir uns mit dem Hinblick auf dessen aussergewöhnliches Alter leicht erklären. (Es sei hier bemerkt, dass die für Resch Lakisch’s Leben Bittende schwerlich die Gattin seiner Jugend, die Schwester R. Jochanans war. Gittin 47 a wird die Tochter Resch Lakisch’s genannt da, wo wir erwarten dürfen, die für die Behaglichkeit des Gatten sorgende Gattin zu finden. Es erhellt daraus, dass Resch Lakisch R. Jochanan’s Schwester überlebte, und es ist wohl dieselbe in Gittin genannte Tochter, die hier den Oheim um des Vaters Gesundung bittet; möglich, dass wir statt אחתיה Baba mezia 84 an dieser Stelle בת אחתיה zu lesen haben. Die Tochter Resch Lakisch’s lebte wohl als Witwe mit ihrem Sohne im Hause des Vaters und fürchtete sich, nach dessen Tod verlassen dazustehen. R. Jochanan sagte ihr mit dem tröstenden Bibelverse zugleich, dass er sich ihrer und ihres Kindes annehmen werde. Diese Tochter scheint es auch gewesen zu sein, die Taanith 9 a von dem Unmut und dem Auge R. Jochanan’s für das Leben ihres Kindes fürchtet, mit dem der Grossoheim den tiefen Sinn einiger Bibelverse erörtert. Sie sagt zu dem Kinde, als R. Jochanan die Augen erhebt, um es anzusehen : ״Komme von ihm fort, dass er Dir nicht tue, wie er Deinem Vater getan.“ Mit dem Vater ist hier gewiss der Grossvater, auch Pflegevater, gemeint; denn es ist nicht anzunehmen, dass der hundertjährige Resch Lakisch noch einen unmündigen Sohn hinterlassen habe.) Drei und ein halbes Jahr kam R. Jochanan wegen seines Grames um Resch Lakisch nach Jeruschalmi Megilla 1,11 nicht ins Lehrhaus, und R. Elasar war der Leiter desselben in seiner Vertretung. ״R. Jochanan verbrachte drei und ein halbes Jahr, ohne ins Versammlungshaus zu gehen aus Gram. Nach Verlauf dieser Zeit sah R. Elasar im Traum: Morgen kommt der Sinai herab und teilt Euch Neues mit. Er kam und sagte vor ihnen. . . .“ Die wenigen Stellen in Babli und Jerr.schalmi. die uns R. Elasar als Vorsitzenden der Hochschule zeigen, beziehen sich auf diese Stellvertretung während der letzten Jahre R. Jochanan’s, als diesen Kummer und hohes Alter vom Lehrhause fernhielten.