Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 258)
- Language
- German
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252 treten, wie früh er es zu seiner hohen Stellung brachte, und wie fruchtbar für ihn .der erste Unterricht R. Jochanan’s war. Setzen wir Resch Lakisch’s Geburt auf 3940—3945 (180- 185) so war er ungefähr lOjährig. als Rabbi starb. Hier sei bemerkt, dass er aus einer angesehenen Gelehrtenfamilie stammt, denn es wird ihm von manchen Seiten nacherzählt, dass er Agada-Sätze im Namen seiner Väter mitteilt. Auch ist es wahrscheinlich, dass er wie R. Jochanan in Sipporis geboren wurde, da er sich ja erinnert, als Kind Rabbi gesehen zu haben. Beide Umstände erklären uns seine Bekanntschaft mit R. Jochanan von frühester Jugend an und das Interesse, welches dieser daran nahm, den durch Begabung und körperliche Eigenschaften ausgezeichneten Jüngling für das Thorastudium zu gewinnen. 3955—3960 war es, als R. Jochanan den Unterricht des ungefähr 15jährigen, durch seine seltene Körperkraft zu wilden Spielen Geneigten begann und ihn unter das Joch der Thora beugte. Mehr als 10 J ahre später kann es nicht gewesen sein, als er schon so ernsthaft mit dem Lehrer diskutierte, dass dieser es als einen Triumph betrachtet, das ,Kind“ ינוקא zum Schweigen gebracht zu haben. R. Jehuda Nessia war damals Fürst und Vorsitzender der Zentralhochschule. Sehr bald wurde Resch Lakisch unter die Gelehrtender Hochschule aufgenommen, und er ist es, der am häufigsten Traditionen des grossen Patriarchen mitteilt. Vor 3995, der Zeit der Uebersiedelung R. Jochanan’s nach Tiberias, finden wir ihn wiederholt als gleichberechtigten Genossen R. Jochanan’s vor R. Chanina, nachdem schon bei Leb- Zeiten des um 3990 gestorbenen R. Jehuda Nessia ihn R. Iloschja vor diesem Fürsten einen grossen Mann (גברא רבא) nannte. Nicht lange nach der Gründung der Hochschule in Tiberias, spätestens 4007 sehen wir ihn dort einen Rang einnehmen, der dem des R. Jochanan nicht viel nachstand. Die Unterhaltung zwischen diesen beiden gleichstrebenden, hochragenden Freunden, welche uns Baba mezia 84 mitgeteilt wird, und welche so tragische Folgen haben sollte, war ein Gespräch zwischen 100jährigen Greisen. R. Jochanan wurde 110 Jahre alt, und der um einige Jabre jüngere Genosse starb ungefähr 4 Jahre vor ihm. Es lässt sich denken, dass seine wohl geistreiche, aber unbedachte Aeusserung dem Resch Lakisch selbst wehe tat, und dass der berechtigte Unmut des hochgeschätzten Genossen darüber den Greis so sehr erregte,