Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 257)
- Language
- German
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251 dass sie sich wunderten, von R. Chanina bei Gesetzesentscheidungeu nicht zur Beratung hinzugezogen zu werden, und dass dieser sie dann später darüber aufklärte, als er einmal der Berater benötigte und sie wirklich hinzuzog. Schon kurz nach der Gründüng der Zentralhochschule in Tiberias durfte sich R. Simon b. Lakisch fast in deren Führung mit R. Jochanan teilen. In dem von uns wiederholt berührten Bericht von der Flucht R. Kahana’s nach Palästina vor 4007 (247) heisst es Baba kama 117a ״ אזיל אשכחיה לריש לקיש דיתיב וקא מסיים מתיבתא דיומא לרבנןEr ging und traf den Resch Lakisch, der die Metibla des Tages mit den Rabbineu beschloss.“ Raschi erklärt dieses mit den Worten: ״Er hat wiederholt mit ihnen durchgenommen, was R. Jochanan am selben Tage vorgetragen hatte, weil Resch Lakisch ein grosser Gelehrter war; und, nachdem sie es alle vom Meister gehört hatten, suchte er es nochmals bei ihnen zu befestigen.“ Wie wir aus Baba batra 22a sehen, war diese Rekapitulation des Lehrstoffes am selben Tage eine feststehende Einrichtung, nur dass diese Wiederholung gewöhnlich durch den Vorsitzenden der Hochschule selbst, dort Raba, geschah. Auch Jeruschalmi Jebamot 1,2 und Pesachim 5,3 findet sich diese Einrichtung an der Hochschule von R. Jona und R. Jose. R. Jochanan nun überliess das dem Resch Lakisch, und ist dieses fast so aufzufassen, als hätten sie sich in die Leitung der Metibta miteinander geteilt. In Babli und Jeruschalmi finden wir sogar Beispiele, dass sich R. Jochanan in der Praxis den Ansichten R. Simon b. Lakisch’s fügte. So Ketubot 84a, wo Resch Lakisch anders wie R. Jochanan in einem Rechtstreit entschieden hatte, und dieser den sich darüber Beschwerenden antwortete: ״Was soll ich tun, wenn mein Gegenüber anderer Ansicht ist wie ich“ מה אעשה ושבננדי חלוק עלי. Jeruschalmi Erubin Abschnitt 1 Mitte von Halacha 1, bei der Frage, welche Einrichtungen getroffen werden müssen, um in einer von beiden Seite offenen winkeligen Gasse (מבוי עקום ומפולש) am Sabbat tragen zu dürfen, überzeugt Resch Lakisch den R. Jochanan so sehr von seiner Ansicht, dass dieser entgegen seiner eigenen früher ausgesprochenen, erschwerenden Entscheidung sich für seine eigene Person sogar der Erleichterung des Genossen fügt בףריש לקיש לר' יוחנן וטלטל. Wenn wir bei diesem Entwicklungsgang des R. Simon b. Lakisch Jahreszahlen einsetzen, wird uns deutlich vor Angen