Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 242)
- Language
- German
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236 Eine kritische Beurteilung des Scherira-Briefes zeigt nun, 1) dass die ursprünglich mit Buchstaben wiedergegebenen Zahlen (an unserer Stelle פ für 80) leicht zu Verwechslungen Anlass geben; 2) dass das mit ואמרנן Eingefübrte auch dem Autor selbst als nicht gesichert gilt; 3) dass bezüglich der in Palästina lebenden Lehrer R. Scherira sich nicht auf die Tradition der babylonischen Lehrbäuser stützen konnte und hierfür keine einwandsfreie Quelle bietet. Was das Seder Tannaim Weamoraim betrifft, so muss unbedingt an der angeführten Stelle dem R. Jochanan ein aussergewöhnlich hohes Alter zugeschrieben werden. Falls der Anhang echt ist, so hat wohl bei R. Jochanan ursprünglich 110 Jahre gestanden, was dann aus der missverstandenen Scherirastelle in 300 oder 400 verändert wurde. Auch das Datum des Todesjahres bei R. Scherira תק״ץ giebt keine völlige Sicherheit, da man hier immer eine Vertauschung der Buchstaben argwöhnen muss, wie in der Tat für תק׳ץ einige Texte הק״ע lesen. Hätten wir nun keine weiteren Hilfsmittel zur Bestimmung der Lebensdauer R. Jochanans als den Scherira-Brief, so müssten wir darauf verzichten, hier jemals Klarheit zu gewinnen. Glücklicherweise bieten uns beide Talmude Anhaltspunkte genug, um nach denselben Geburtsort, Geburtsjahr, Regierungsdauer, sowie das Todesjahr R. Jochanans genau zu bestimmen. Geburts- und Sterbejahr. Den Namen von R. Jochanans Vater kenneu wir nicht. An einigen Stellen des Babli und Jeruschalmi wird er zwar בן הנפח oder בר נפחא genannt, es ist aber ziemlich sicher, dass damit nicht der Sohn eines Mannes namens Nappoch oder Nappcha, bezeichnet werden soll, es wird vielmehr wohl damit auf aussergewöhnliche geistige oder körperliche Eigen schäften hingewiesen. Der Name Jochanan steht auch nie zusammen mit בר נפחא oder הנפח p, nirgends heisst es R. Jochanan bar Nappcha. Der Vater R. Jochans starb kurz vor seiner Geburt, hei seiner Geburt die Mutter. Von seinem Grossvater ist einmal die Rede, auf seinem Rücken reitend hat R. Jochanan einen Vortrag von R. Simeon b. Eleasar gehört. Auch an Frauen, die bei seiner Geburt um die Mutter gewesen waren, erinnert er sich. Nach einem etwas dunklen Bericht in Berachot hat er zehn Söhne verloren, und soll den Ueberlebenden