Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 240)
- Language
- German
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234 Mischna und ihre praktische Anwendung zu sammeln und festzustellen in erklärenden Baraitns und Gemara, gerade diese Epoche lag im Dunkeln, und nur undeutliche Vorstellungen gab es von der Art der Wirksamkeit der führenden Männer. Einen Wendepunkt brachte erst das Erscheinen zweier Teile des grossangelegten kritischen Geschiehts Werkes Isaac Halevy’s, das uns die Gestalten der letzten Tannaim und die sämtlicher Amoraim in klaren Umrissen zeichnet. Das Werk im Original kann nur von solchen, die mit der Sprache und dem Stil des Talmuds vertraut sind, mit Erfolg gelesen und studiert werden. Ich glaube mir deshalb den Dank der Leser dieses Jahrbuches zu erwerben, indem ich auf Grund der Darlegungen Halevy’s zeige, wann eigentlich jener Mann gelebt hat, dessen Name uns wohl am häufigsten in beiden Talmuden begegnet, und unter dessen Oberleitung der bei weitem grösste Teil des Jeruschalmi zusammengestellt wurde, und wer die Männer waren, die mit ihm an der Spitze des obersten Lehrhauses in Palästina standen. Durch den hier wiedergegebenen Nachweis der Lebensdaten dieser gewaltigen Geisteshelden wird sich leicht erkennen lassen, wie dankbar wir Herrn Halevy sein müssen, dass er durch sein reiches Wissen Licht in dieses Dunkel gebracht. Wenige Sätze aus zwei kleinen Werkchen und einigen Agadastellen galten bis jetzt der jüdischen Geschichtsforschung als die einzigen Hilfsmittel, um uns jene grosse Zeit näher zu bringen, die trotz widriger äusserer Verhältnisse und wegen derselben dem weiten Gebiete der mündlichen Lehre jene Form gab, in welcher das mündlich überlieferte Gesetz für unser Volk unverlierbar geworden ist. Hier reichlich fliessende Quellen erschlossen zu haben, die aus den verschiedensten Gründen von früheren Forschern übersehen wurden, ist das grosse Verdienst Halevy’s• Dass die getreulich aufgezeichneten Namen der Tradenten des halachischen Stoffes in ihren Diskussionen und bei Anwendung des Gesetzes dem Historiker erstklassiges Material liefern müssen, daran dachten nur sehr wenige, Halevy dagegen weist immer wieder und wieder in seinem Dorot Harischonim darauf hin. Wo die Chronik R. Scherira Gaon’s, das Seder Tannaim Weamoraim und die Agada schweigen oder dunkel sind, redet gar oft der halachische Teil des Talmuds eine um so deutlichere Sprache.