Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 239)
- Language
- German
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Rabbi Jochanan. Von Rabbiner Dr. J. Bondi. Vorbemerkung. Seit der Niederwerfung des Aufstandes des Bar Kochba ist die jüdische Geschichte nur ein Bericht über Leiden und Literatur. Um der Literatur willen werden aber die Leiden geduldet. Die Wissenschaft, von deren Trägern unsere Geschichte in erster Linie erzählt, ist nämlich das Heiligtum und kostbarste Gut des israelitischen Volkes. Was anderen Völkern ihr Staat ist, durch dessen Erhaltung und Mehrung sie unsterblichen Ruhm erwerben, das ist für Israel sein Gesetz und dessen Kenntnis und Uebung. Die Geschichte hat die wunderbare Erhaltung dieses ewigen Gesetzes im Lauf der Zeiten darzustellen und die Namen der grossen Lehrer und ihre Mühen und Kämpfe für das Gesetz zu verzeichnen. Tatkraft, Scharfsinn, Opfer, Entbehrungen, Heldenmut stellen diese den ersten Staatsmännern und Feldherren ebenbürtig zur Seite; und das Volk, das seinen Grossen ohne den Zwang der Mächtigen Gehorsam und hohe Verehrung schenkte, das sie in den gefährlichsten Zeiten nicht verliess, wand sich eine Krone um das Haupt, die zum mindesten gleichwertig ist dem Lorbeer der kriegstüchtigsten Nationen. Die Geschichte der Verteidigung und Erhaltung unseres heiligen Gesetzes, hatte bis vor kurzem eine weit klaffende Lücke; gerade die Zeit, in welcher die furchtbare Religionsverfolgung nach der Niederwerfung des Bar-Kochba-Krieges dazu drängte, dem überlieferten Mischnatext eine völlig abgeschlossene Form zu geben und weiter auch die massgebenden Erläuterungen der 15**