Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 232)
- Language
- German
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226 Schlüsse die Thora eine Zusammenstellungderjenigen Bestimmungen, welche allen gemeinsam sind, und hebt diese Gemeingiltigkeit durch die zusammenfassende Parenthese noch besonders hervor. — An dem Fehlen des unbestimmten Subjects (״etwas“) wird man angesichts der Häufigkeit dieser Erscheinung keinen Anstoss nehmen dürfen. Den gleichen Sinn hat, wie Menachoth 60 b beweist, die halachische Exegese in dem Verse gefunden. n. 'והיה הבכור אשר תלד ונו V. B. M. 25. 6. Die gebräuchliche Uebersetzung lautet: ״Und es soll geschehen*), der Erstgeborene, den sie gebiert, soll eintreten in den Namen seines Bruders, des Gestorbenen, damit nicht ausgetilgt werde sein Name aus Israel“. Der Sinn der Vorschrift wäre demnach, dass der erste, aus der Schwagerehe stammende Knabe den Namen des Verstorbenen tragen, d. h. mit gleichem Namen benannt werden solle. Allein dieser Auffassung stehen zahlreiche Schwierigkeiten sachlicher wie grammatikalischer Art entgegen. Wie, wenn die Ehe kinderlos bleibt oder nur weibliche Descendenz hervorbringt? Möglichkeiten, die doch so obenauf liegen, dass man sich schwer überreden kann, zu glauben, die Thora habe ihnen keinerlei Beachtung geschenkt. — Ferner: Die Sitte, den Namen eines Verstorbenen im Kreise seiner Familie zu vererben und damit gleich« sam die Gegenwart mit der Vergangenheit zu verknüpfen, ist zweifellos alt und der Ausdruck eines pietätvoll reflektierenden Sinnes, der gern bei dem Gewesenen weilt und das Tote selbst noch mit Leben zu erfüllen trachtet. Dass diese Sitte aus unserem Thoraworte ihre Quelle herleitet, darf ebenfalls angenommen werden; wie aber anderseits zu betonen wäre, mit Unrecht. Denn selbst zugegeben, dass der obige Sinn unserer Stelle richtig wäre, so würde dieselbe doch nur einen exceptionellen Fall im Auge haben, der mit dem alltäglichen Vorgänge des Sterbens und Entstehens nichts zu schaffen hätte. Ist denn aber jener Sinn zulässig? Sollte wirklich die Thora, diese Verkör- *) Es wäre wahrlich an der Zeit, mit der kraft- und nur allzu oft sinnlosen Uebersetzung von n^-sein aufzuräumen und dafür etwa wie oben zu übersetzen!