Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 231)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486267--0231-3486590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
225 dass dieser Schritt sogar öfter, als man anzunehmen geneigt sein möchte, im Pentateuch getan und dass die Halacha mit ihrem verfeinerten und empfindlicheren Sprachverständnis in ihrer Exegese (dem דרש) dieser Bedeutung gerecht wird, während der sogenannte ,,einfache Wortsinn“ achtlos an ihr vorübergeht. Da aber ein Anfuhren aller Beispiele dieser Art den dieser Arbeit zugeteilten Raum allzusehr überschreiten würde, so muss sich dieselbe auf eine kleine Anzahl der beweiskräftigsten beschränken. Der Rücksicht auf diese Qualität ist auch in der Reihenfolge ihrer Anordnung im Folgenden Rechnung getragen. I. והבאת את המנחה אשר יעשה סאלה וכר III. B.M. 2.8. Die gewöhnliche Uebersetzung: ״Und du sollst bringen das Mehlopfer*), welches dargebracht wird von diesen“, ist schon grammatisch unhaltbar. Denn מנחה ist, wie nicht unter Beweis gestellt zu werden braucht, femin. generis; würde also der ־אשרSatz von המנחה regiert, so müsste auch sein Subjekt weiblich sein. Der angebliche Relativsatz erscheint aber auch überflüssig und mindestens ungeeignet, den Gedankenwert des Kapitels zu fördern. Und die Vorstellung, als habe die Thora einer angenehmen Fülle zuliebe, drei überflüssige Worte aufgenommen? braucht für den sachverständigen Leser nicht widerlegt zu werden. Das Bild ändert sich aber vollständig, wenn man אשר als Konzessiv-Partikel und den ganzen Satz als Parenthese auffasst; die Uebersetzung hätte dann folgendermassen zu lauten: ״Und du sollst bringen das Mehlopfer — vorausgesetzt, dass etwas von diesen geschieht — zum Ew.“ — Der Sinn wäre folgender: Nachdem in den vorhergehenden Abschnitten die verschiedenen Arten, die beim מנחה zulässig sind, benannt und ihre unterscheidenden Merkmale unterstrichen wurden, giebt am *) Eine der Ungenauigkeiten, mit denen Mendelssohns Pentateuchüber- Setzung uns beschenkt hat, und die unausrottbar erscheinen, ist die Ueber- Setzung von מנחה mit ״Speiseopfer“. Als ob ein halbwegs klardenkender Mensch sich dabei überhaupt etwas denken könnte! — Der wesentliche Bestandteil jedes מנחה ist das Mehl; danach gebührt sich auch die Benennung.