Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 801 (sequence 810)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9851-3486002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Altmann, Daiches, Shulman, Rotbenberg, Erleigh 801 BERICHT DER POLITISCHEN KOMMISSION. BERICHTERSTATTER LADY EVA ERLEIGH (England - spricht englisch): Die Politische Kommission hat mich beauftragt, dem Council die folgenden Antrage zur Annahme zu unterbreiten. Der Text der Anträge ist bereits in Ihren Händen (liest): A. ALLGEMEINE POLITISCHE TRAGEN. 1. Die vierte Tagung des Council der Jewish Agency tritt in einer schweren Stunde der Gesdiidue des jüdischen Volkes zusammen. Die widrigen Verhältnisse, unter denen die jüdischen Massen in der Diaspora leben — ihre Zerstreuung'in aller Welt, ihre gewaltsame Loslösung vom Boden und von der Urproduktion,, die politische und soziale Rückständigkeit — haben sich in den letzten Jahren verschlimmert. Der Geist eines engherzigen Nationalismus, der sidi nadi dem Kriege in einigen Staaten eingenistet hat, hat die Grundlagen der jüdischen Bevölkerung erschüttert und die antisemitischen Kräfte gestärkt. Angesichts der Erschütterung der Positionen des jüdisdien Volkes in den Ländern der Alten Welt hat die Emigrationssperre in den Ländern der Neuen Welt den Juden die Möglidikcit genommen, wie einst durch'Emigration ihre Not einigermaßen zu lindern. 2. Die Katastrophe der deutsdien Judenheit — die Zertrümmerung und Diffamierung dieser auf einer hohen Kulturstufe stehenden und an schöpferischen Kräften reidien jüdisdien Gemeinschaft, die den Höhepunkt der bürgerlichen Glcidibercchtigung erreicht hatte — hat die Unsicherheit des jüdischen Lebens in weiten Teilen der Diaspora grausam zutage gefördert. Palästina ist heute das einzige Land, das eine große jüdische Emigration aufnimmt. Das jüdische Volk hat seine Fähigkeit gezeigt, in Palästina Möglichkeiten einer wirtschaftlidien Eingliederung großer Massen von Juden zu schaffen, die der niditjüdisdien Bevölkerung Palästinas nidit nur keinen Schaden, sondern direkt Nutzen bringen. 3. Die Erfolge der Juden in Palästina haben bewiesen, daß die Alijah und die jüdische Kolonisation in Palästina in einem viel sdineileren Tempo als bisher vor sidi gehen könnte, und haben däe Aussichten auf Wadistum und Entwicklung der jüdisch-nationalen Heimstätte beträcht!idi vergrößert. Die Lage der Juden in vielen Teilen der Welt erfordert gleidizeitig mehr denn je die größtmöglidie Besdilcunigung des Tempos des Aufbauwerkes in Palästina. 4. Der Council der Jewish Agcncy proklamiert den festen Willen der Jewish Agency, alle schöpferischen Energien des jüdisdien Volkes auf die Ausdehnung und Beschleunigung 'seiner Wiederansiedlung in Palästina zu konzentrieren,. f. Der Council der Jewish Agency appelliert an die öffentlidic Meinung der Welt, den Juden bei ihren Bemühungen zu helfen, ihr Nationalheim in ihrer historisdien Heimat in Frieden und Freiheit zu erriditen. 6. Der Council der Jewish Agency wiederholt und bekräftigt den Willen des jüdisdien Volkes, mit der arabisdien Bevölkerung Palästinas und mit dem arabischen Volke im Orient in Eintracht zu leben. Der Council erklärt, daß die jüdisdien Erfolge in Palästina der arabischen Bevölkerung Palästinas und der benachbarten Länder bereits beträchtlichen Nutzen gebracht haben und daß die Fortsetzung dieses Aufbauwerkes einen weiteren Beitrag zum Fortschritt und zur Entwicklung des ganzen mittleren Orients verheißt. 7. Der Council der Jewish Agency erklärt, daß die Möglidikeit einer völligen Verwirklichung des Ideals, von dem die Balfour-Dcklairation getragen war, heute über jeden Zweifel erhaben ist. Bei aller Anerkennung des Anteil*, den die Mandatsregicrung am Palästinawerke dadurch genommen hat, daß sie die Erweiterung des Werkes des jüdischen Volkes in Palästina ermöglicht hat, und bei aller erneut betonten Bereitschaft der Jewish Agency, ihre Arbeit in enger Kooperation mit der Mandatarmacht fortzusetzen, appelliert der Council an die Regierung, sie möge großmütig ihre Verpfl ich Hingen in vollem Umfange er- 51