Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 790 (sequence 799)
- Language
- German, English, Hebrew
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790 4. Council-Sitzung: Generaldebatte gung von Geldmitteln verbunden, die, wie ich hoffe, bedeutend steigen werden durch ein Wachstuni des Kercn Hajessod. Ich habe den Titel des Präsidenten als Programm einer sehr energischen Tätigkeit in London und Jerusalem übernommeil. Der zweite Teil meiner Arbeit ist eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt:, und die ich auch Ihnen speziell ans Herz legen möchte, es ist die Kulturfrage. Audi in der Zionistischen Organisation haben wir über diese Frage 40 Jahre lang gesprochen und gepredigt, aber es wurde nichts geschaffen. Zum ersten Male — das ist eines der Hauptverdienste des letzten Kongresses — haben wir jetzt etwas für die Kultur getan. Ich will midi in keine philosophisdien Spekulationen einlassen, sondern klar und deutlich unser Programm vorlegen und Ihr Interesse in demselben Maße gewinnen, wie wir das Interesse des Kongresses gewonnen haben. Zum Aufbau unseres Volkes braudien wir zwei Dinge: Land und Sprache. Das sind die beiden Grundclemente, Jachin und Boas, die beiden Säulen unseres Tempels. Wenn wir ein Land haben, aber keine Sprache, sind wir nur eine territoriale Idee. Das genügt nicht. Wohl muß man Boden unter den Füßen haben, aber wenn wir in das Land als ein polyglottes Volk kommen, ohne eigene Sprache, und uns anderer Sprachen bedienen, mögen es auch große Kultursprachen sein, so werden wir keine nationale Einheit bilden. Ein nationales Heim ohne eigene Sprache ist eine contradictio in adiecto. Wir hatten früher keine eigene Sprache, wir waren Agenten verschiedener anderer Sprachen. Denken Sie sich einen solchen Zustand in der heutigen Zeit, wo wir geschlossen nach außen und nach innen auftreten müssen! Es ist das größte Wunder der Welt, daß wir unsere Sprache tatsächlich wieder belebt haben. Schauen Sic nach Irland, ein Land mit zwei Spradien — die Gewohnheitssprache ist die englische, die alte Nationalsprache das alte Keltisch. Die Regierung hat Millionen von Pfund ausgegeben, um diese alte Sprache wieder zu beleben. Das Resultat ist zwar nicht null, aber nicht viel mehr als null: das alte Keltisch versteht am besten irgend ein deutsdier Universitätsprofessor (ich weiß nicht, ob er Jude ist oder nicht). In Irland selbst wird dagegen im Parlament meistens englisch gesprochen, und es gibt sehr wenig Sprachphänomene, die die irisdie Sprache beherrschen, darunter der einzige jüdische Abgeordnete des Parlamentes, der ein ausgezeichneter Kenner der Nationalsprache ist. Und wir, die paar Zionisten, die „Batlanim" — ich nehme auch Sie in diese Gesellschaft hinein — wie lange ist es denn her, daß die hebräische Sprache auferstanden ist? Kaum 25 Jahre. Wir können heute mit Leichtigkeit ein hebräisches Parlament in Palästina haben. Die Sprache ist den Menschen schon so geläufig geworden, daß sie gar nicht mehr zu reden aufhören wollen. Und gehen Sie gar zu den Kindern! Das ist ein großer Erfolg, auf den wir stolz sein können. Es ist ein intellektueller Akt, den kein Volk in so kurzer Zeit vollbracht hat. Wir haben die älteste Sprache der Welt zur jüngsten gemacht. Das geschieht nicht von selbst. Das ist ein Ergebnis jahrelanger Arbeit und großer Opfer. Und das muß jetzt mit Rücksicht auf die große Alijah in viel größerem Ausmaß geschehen. Es kommen Elemente ir Massen, die keine Ahnung von der hebräischen Sprache haben.