Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 786 (sequence 795)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9836-3485987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
786 4. Council-Sitzung: Generaldebatte MENACHEM M. USSISCHKIN (Zionist — spricht deutsch): Sie haben mir die Ehre erwiesen, mich ins Präsidium zu wählen. Ich konnte aber leider, da ich in anderen Sitzungen beschäftigt war, nur wenig an Ihren Beratungen teilnehmen. Ich will daher auch nur einige Worte zu dem sagen, was ich jetzt hier gehört habe. Dr. Daiches hat davon gesprochen, daß man auf die Menschen hinweist, die in Palästina an Boden verdienen und keine Spenden leisten. Ich will darauf antworten. In Erez Israel gibt es 350.000 Juden. Wieviele von ihnen sind reich gewordene Spekulanten? Vielleicht weniger als hundert. Soll man für hundert schlechte Juden die übrigen 350.000 büßen lassen? In England wird es vielleicht auch jüdische Millionäre geben, die nichts geben. Macht man dafür das ganze englische Judentum verantwortlich? Herr Prof. Schorr hat über die Jcwish Agency gesprochen. Man hat dieses Kind geschaffen, und noch heute fragt man: Was ist mit diesem Kind, wie wächst es heran? Es hat darüber manchen Streit in der zionistischen Bewegung gegeben. Aber man hat diesen Streit nicht immer richtig verstanden. Es war kein Streit darüber, ob wir Zionisten wollen, daß alle Juden der Welt sich mit dem Aufbau beschäftigen. Das war vom ersten Tage des Zionismus an unser Wunsch. Fraglich blieb nur das technische Problem, wie man die Menschen innerhalb und außerhalb der Zionistischen Organisation in der Aufbauarbeit vereinigen soll. Man hat hier viel von dem Begriff „Nichtzionisten" gesprochen. Vielleicht wird einmal die Zeit kommen, wo man das Wort „Zionisten" nicht mehr brauchen wird; denn man braucht dieses Wort ja nur so lange, als es Antizionisten gibt. Wenn die ganze jüdische Welt Erez Israel aufbauen wird, dann wird man keine Zionisten mehr notwendig haben. In Wahrheit sind Nichtzionisten eben jene Zionisten, welche nicht in der Zionistischen Organisation registriert sind. Ich erinnere mich an den Ausspruch eines französischen Schriftstellers, der ein Buch über Rußland schrieb und den Satz aufstellte: „Kratzt den Russen und Ihr findet den Tataren/* Ich sage dasselbe von den Juden: „Kratzt den Juden und Ihr findet den Zionisten!" Die Frage ist nur, wie man kratzen soll, ob die Fifty-Fifty-Methode die richtige Methode des Kratzens ist. (Heiterkeit.) Ich wünsche, daß der Weg zu einer gemeiaschaftlichen Arbeit aller Juden der ganzen Welt am Aufbau unserer alten und neuen Heimat gefunden werde. Im Grunde aber ist dies immer nur eine Frage der technischen Form, und daher darf man sich nicht darüber aufregen, wenn es irgend eine Unzufriedenheit über diese technische Form gibt. Ich will mit einer Anekdote schließen: Zu einem chassid!schen Rabbi kamen zwei seiner Chassidim und baten ihn, er möge einen Vertrag, den sie miteinander geschlossen hatten, selbst aufsetzen. Er hörte ihre langen Darlegungen an, schrieb aber nichts auf. Schließlich verlangte der Rabbi einen Bogen .Papier. Die beiden Chassidim wunderten sich, daß im Hause des Rabbi kein Papier zu finden sei, und brachten ihm das schönste Papier, das sie auftreiben konnten. Als sie am nächsten Tage kamen, um den Vertrag abzuholen, gab ihnen der Rabbi das Papier leer zurück. Sie waren sehr verwundert. Der Rabbi sagte: „Warum wundert Ihr Euch, das ist doch das