Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 780 (sequence 789)
- Language
- German, English, Hebrew
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780 4. CounciUSitzung: Generaldebatte Palästinas. Alle von uns, die gestern abends bei der Vorführung des Keren Hajessod-Films anwesend waren, werden die Größe des Werkes in Palästina erkennen. Wir in England betrachten es als unsere Pflicht, soweit als möglich Einfluß auf die Mandatarmacht auszuüben. Wir haben in dieser Hinsicht zusammen mit der Zionistischen Exekutive und der Exekutive der Agency gewirkt und werden es auch weiter tun. Wir wollen daher nicht als moralisch minderwertig betrachtet werden, wir wollen moralische Gleichheit in der Arbeit. Wir dienen alle zusammen einer gemeinsamen Aufgabe. Ich möchte hoffen, daß es uns in Zukunft gelingen wird, die Agency auch organisatorisch zu stärken, nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ. Diese Organisation wird keine Angriffs- und Konkurrenztendenzen gegen die große Zionistische Organisation hegen, die im Jahre 1897 entstanden ist und dann von Jahr zu Jahr an Kraft zugenommen hat, nicht nur an Zahl, sondern auch an moralischen Erfolgen, sondern eine mitarbeitende Organisation sein, die zwar eine andere Weltanschauung hat, aber verbunden ist mit der gemeinsamen Palästinaaufgabe. Jeder von uns soll so viel mitarbeiten, wie er kann. Freilich ist es leichter, zu reden als zu handeln. Wir bringen das Volk vom Laden, vom Katheder zum Boden. Wir wollen ein neues Volk schaffen, das die Erbschaft der 2000 Jahre im Galuth aufgeben will. Wir hatten einst eine große und glänzende Vergangenheit. Wir sollen aber nicht nur auf die Vergangenheit zurückblicken, sondern vor allem auf die Zukunft schauen, und wenn wir alle, Zionisten und Nichtzionisten, in der Gegenwart wirken und auf die Zukunft schauen, so hoffe ich, daß unsere Zusammenarbeit viel glücklicher sein wird, als sie in der Vergangenheit war. (Beifall.) JAKOB LESZCZYNSKI (Polen — spricht jüdisch): Ich habe die Ehre, das erste Mal von dieser Tribüne zu reden, und möchte nur ein paar Worte über die Hauptprinzipien der Agency-Arbeit sagen. Sicher ist die große ökonomische und politische Katastrophe, die fast das gesamte Weltjudentum zu durchleben hat» die Haupttriebkraft des Zionismus und der Agencybewegung. Das ist aber nur die objektive Triebkraft; denn es wäre falsch, anzunehmen, daß Armut und Elend, Pogrome und Verfolgungen genügen könnten, um eine große nationale oder soziale Bewegung zu schaffen. Daß dies absolut nicht genug ist, lehrt uns die jüdische Geschichte. Man braucht nicht in die weite Vergangenheit zurückzuschauen, es genügt, die Periode vor etwa 100 Jahren zu betrachten. Die Lage der Juden war damals noch viel schlimmer. Zar Nikolaus I. hatte im Laufe von 20 Jahren, einen Pogrom gegen anderthalb Millionen Juden entfesselt und sie zur Taufe getrieben. Trotzdem ist damals kein Zionismus entstanden, obwohl damals unter den Juden ebenfalls wirtschaftliche Armut herrschte. Not und Verfolgung genügen also nicht, um eine nationale oder soziale Bewegung zu schaffen, man braucht auch positive Kräfte im Volke, um ein Unglück in ein Glück zu verwandeln. Man kann auf Pogrome so reagieren, daß man sich im Keller versteckt, man kann aber darauf auch mit Selbstschutz reagieren. Man kann auf Verfolgungen durch ein allgemeines Fasten reagieren, aber auch mit der Errichtung eines eigenen Staates. Ein Volk reagiert so, wie wir heute reagieren, eine zerbröckelte Gemeinschaft aber reagierte durch Fasttage und