Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 762 (sequence 771)
- Language
- German, English, Hebrew
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762 j. Council-Sitzung: Generaldebatte der Arbeit auf sich zu nehmen, die für den Aufbau unseres geliebten Landes zu leisten ist. (Beifall.) SCHALOM ASCH (Polen, mit stürmischem Beifall begrüßt — spricht jüdisch): Eigentlich ist es das Wunder von Erez Israel, daß heute abends auf einer Versammlung eine englische Lady und ein polnischer Jude aus Amerika über Erez Israel sprechen. Was verbindet mich eigentlich mit der englischen Lady? Was verbindet alle die Juden, die hier aus aller Herren Ländern zusammenkommen, die frommen und die nichtfrommen? Bis zur letzten Generation war es die Religion, die unseren Eltern half, die großen Versuchungen zu überwinden, die die jüdische Geschichte ihnen auferle-t hat. In den schwersten Zeiten ihrer Leiden besaßen die Juden ein Rettungwunder: den jüdischen Glauben, den Glauben an die andere Welt, die höhere, bessere, gerechtere Welt. Er gab den vielen, die das Martyrium auf sich nahmen, die um ihrer Idee und ihrer Wahrheit willen den Scheiterhaufen bestiegen, Mut. Leider stehen wir, die neue Generation, die ck'i Glauben verloren hat, ganz verlassen da. Unsere Kinder fragen un>: Warum leiden wir als Juden? Was für ein Entgelt haben wir für die Leiden, die wir als Juden ertragen? Die neue Idee, die den modernen Juden erfaßt, ist die Idee von Erc/. Israel. Ich muß jedoch offen sagen: Erez Israel als gewöhnliches Vaterland mit den Regeln und Begriffen, die es für ein Vaterland gibt, kann uns nicht genügen. In unserer mystischen Vorstellung gab es zwei Arten von Jerusalem: „Jeruschalajim schel matuh" und Jeruschalajim schel maalah", das Jerusalem unten und das Jerusalem oben. Es gibt das kleine, das gegenwärtige, das materielle Jerusalem. Aber es gibt auch ein höheres Jerusalem, das geistige, das unsichtbare, das unbegrenzte, das himmlische. Für uns Nichtzionisten bedeutet das gewöhnliche, das materielle Jerusalem nichts Wir brauchen das große, geistige Jerusalem, das „Jeruschalajim schel maalah". Nur dann kann Jerusalem für uns eine Bedeutung haben, nur dann kann es für uns einen Reichtum bedeuten, und nur dann kann es uns den großen Trost für alle Leiden bieten. Die große Errungenschaft unseres Werkes wird sein, wenn Jeruschalajim für uns nicht nur ein materielle begrenztes Vaterland, sondern für alle Juden das höhere Jeruschalajim, da? große Jeruschalajim sein wird. Die Juden, die in Erez Israel wohnen, begnügen sich vielleicht mit dem Alltagsleben. Wir Juden aber, die in fremden Ländern wohnen, brauchen das höhere Jerusalem, das Licht und den Glan/. von Erez Israel. Wir müssen beweisen, was die jüdische Gemeinschaft und der jüdische Geist schaffen können. (Beifall.) Das Herz eines jeden von uns, der seine Hoffnungen mit Erez Israel verbunden, hat, muß in der letzten Zeit leider sehr betrübt sein, wenn er zwar von den wunderbaren Errungenschaften bei der Erweiterung und Vergrößerung unseres Werkes in Erez Israel hört, andererseits aber vernehmen muß, wie sehr die materialistischen und nüchternen Momente im Alltag von Erez Israel in den Vordergrund rücken. Solange eine Idee nicht ver- . wirklicht ist, sieht sie groß und erhaben aus. Nähert sie sich aber ihrer Verwirklichung, so tritt das alltägliche, harte Leben in seine Rechte und trübt die Idee. Es genügt nicht, daß Erez Israel 3*0.000 Juden, eine halbe Mil-