Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 740 (sequence 749)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9790-3485941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
740 2. Council-Sitzung: Politisches Referat haben, steht bereits außerhalb jeder Diskussion; wir mußten alle Kräfte zusammenfassen, um diesen nationalen Willen des jüdischen Volkes für den Aufbau auszunützen. Die schnelle Entwicklung des Landes traf die britische Regierung und die Palästinaregierung sowohl geistig wie technisch unvorbereitet. Sie war nicht darauf vorbereitet, so viele Immigranten ins Land hineinzulassen, wie es die vermehrte Aufnahmefähigkeit von Palästina gestattete.^ Auch die gesamte Administration war nicht auf eine solch schnelle Vergrößerung der Bevölkerung und wirtschaftlichen Entwicklung eingestellt. Wir hatten einen schweren Kampf zu führen, um hier eine Änderung zu erreichen. Gerade in der Zeit, als die Immigration Rekordziffern erreichte, wurde die Meinungsverschiedenheit zwischen uns und der Regierung auf diesem Gebiete immer schärfer. Die Differenz zwischen den Forderungen der Jewish Agency und dem von der Regierung bewilligten Zertifikatsschedule führte zu einem ständigen Arbeitermangel, der für unsere ökonomische Entwicklung auf den verschiedensten Gebieten, besonders auf dem der Industrie und Landwirt schaft, ungünstige Folgen hatte. Nicht genug damit, daß dieser Arbeitermangel uns Möglichkeiten raubte, die durch unsere Bemühungen geschaffen worden waren, traf er auch unsere weitere ökonomische Entwicklung seht schwer. Besonders schwer traf er unsere Landwirtschaft und andere vor. jüdischer Arbeit eroberte Erwerbszweige, die nur durch Pioniergeist gehalten werden können. Die Erfahrung hat uns gezeigt, daß es unbedingt nötig ist, in Palästina eine gewisse Arbeiterreserve zu haben. Nur auf diesem Wege wird es uns möglich sein, alle ökonomischen Möglichkeiten des Land<^ auszunützen und für die jüdische Arbeit zu sichern. Der Idealismus der jüdischen Jugend, der Chaluzim, ist zwar sehr groß, aber man muß ihnen auch die Möglichkeit geben, sich Arbeitsgebieten zuzuwenden, die einer Pioniertätigkeit bedürfen. Die gegenwärtige Einwanderungspolitik der Re gierung nimmt uns alle derartigen Möglichkeiten. Bei unseren Bemühungen um die Vergrößerung der Immigration hatten wir die Unterstützung der gesamten jüdischen öffentlichen Meinung, sowohl der zionistischen als auch der nichtzionistischen. Ganz besondere Unterstützung in diesem Kampf erhielten wir von unseren Freunden in England, von denen an erster Stelle der Board of Deputies hervorgehoben sei. Der wichtigste Kampf muß aber in Jerusalem geführt werden. Wir versuchen, die anderen, soweit als möglich, zu überzeugen; wir haben protestiert, wenn wir es für unbedingt notwendig hielten. Wir haben versucht, die. Tatsachen auf wirtschaftlichem Gebiet für unseren politischen Kampf auszuwerten. In dieser Hinsicht haben wir einige Erfolge zu verzeichnen. Die Bemühungen müssen aber fortgesetzt werden, solange die Lage unbefriedigend bleibt. Jede unserer Zusammenkünfte muß für diese Bemühungen ausgenützt werden — das sollte der Council der Jewish Agency sich vor Augen halten. . DIE ZUSAMMENARBEIT MIT DER REGIERUNG. Aber trotz der starken Differenzen zwischen uns und der Regierung auf dem Gebiete der Immigration wurde die Kooperation zwischen uns und der Mandatarmacht nicht beeinträchtigt, und wir sind weiter des festen Glau-