Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 736 (sequence 745)
- Language
- German, English, Hebrew
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736 /. Council-Sitzung: Referat über Jugend-Alijah Werk wacht. Vielleicht werden Sie midi auf Grund dieses Glaubens als einen Mystiker ansehen. Ich bin es jedenfalls nur in ganz beschränktem Maße. Aber eine Überzeugung habe ich wirklich, die nicht aus der Vernunft, sondern aus anderen Tiefen geboren ist: so wie in der Natur keine Kraft verlorengeht, so glaube ich, daß auch im sozialen Geschehen jede aufopfernde und beständige Arbeit nicht ohne Wirkung bleibt und früher oder später ihre Früchte trägt. In diesem Sinne rufe ich Sie auf, der großen historischen Bedeutung dieses Augenblicks für die Zukunft des jüdischen Volkes eingedenk zu sein und alle Kräfte für die Vollendung unseres Werkes in Palästina einzusetzen. (Lebhafter Beifall.) REFERAT ÜBER DIE JUGEND-ALU All AUS DEUTSCHLAND. MISS HENRIETTA SZOLD (von stürmischem Beifall begrüßt — spricht deutsch): Meine Vorredner haben schon erwähnt, in welcher Not, Drangsal und Bedrückung das jüdische Volk jetzt an vielen Orten und Stellen lebt, und gerade mir ist es vergönnt, in diese Bedrängnis einen Lichtstrahl zu senden. Dieser Lichtstrahl ist die Jugend-Alijahy die Einwanderung von Jugendlichen aus Deutschland nach Palästina. Es ist meine Absicht, eine ganz schlichte Beschreibung zu geben von dem, was ich in den letzten ilj2 Jahren erlebte. 713 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren haben wir schon aus Deutschland nach Palästina überführt. Sie befinden sich dort in verschiedenen geschlossenen Institutionen, aber hauptsächlich in den landwirtschaftlichen Siedlungen, in den Kwuzoth. 15 Kwuzoth haben ihre Tore geöffnet, um diese Kinder aufzunehmen. Die Arbeit wird von einem Zentrum in Deutschland geleistet und von einem Zentrum in Palästina fortgeführt. Der Mittelpunkt der Auswanderung befindet sich in Berlin, der Mittelpunkt der Einwanderung in Jerusalem. Ich kann Ihnen im wesentlichen nur davon erzählen, was sich in Jerusalem abspielt. Dort besorgen wir die Jugendzertifikate, die wir von der Palästinaregierung — ich sage es mit Freude — leicht erlangt haben. Ich vermute, daß die Palästinaregierung von der außerordentlichen dramatischen .Katastrophe, die unser Volk in Deutschland betroffen hat, sehr beeindruckt war. Diese Jugendzertifikate werden auf Namen ausgestellt. Sie werden uns nicht in Bausch und Bogen gegeben, sondern wir müssen jeden Namen einzeln vorlegen, und auf Grund des Alters und der Staatsangehörigkeit bekommen wir ein Zertifikat für die Jugendlichen, die in Berlin für die Alijah ausgewählt werden. Die Auswahl geschieht mit großer Sorgfalt sowohl vom medizinischen Standpunkt als auch vom Standpunkt des Charakters, der Eignung für die Auswanderung, für die Trennung von den Eltern, für den Ubergang in ein ganz neues Milieu, in ein neues Klima, zu einer neuen Sprache, zu neuen Lebensbedingungen und was sonst mit dem altneuen Land verbunden ist. Diese Auswahl wird von der yJüdischen Jugendhilfe" getroffen, einer Vereinigung der Jugendbünde, hauptsächlich der national eingestellten Jugendbünde in Deutschland. Wenn die Kinder zu uns kommen,