Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 730 (sequence 739)
- Language
- German, English, Hebrew
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730 /. Council-Sitzung; Referat über Palästina-Arbeit PALÄSTINA ALS EINWANDERUNGSLAND. Wenn wir uns früher an die Juden wandten und sie um Unterstützung für unser Werk baten, so war eine der häufigsten Antworten, daß sie in ihrem eigenen Lande genug soziale Hilfe für die Juden zu leisten hätten und daß sie sich für Palästina erst dann interessieren könnten, wenn Palästina den Juden wirklich materiellen Beistand leisten werde. Nun, dieser Zustand ist jetzt eingetreten. Ich habe vor mir die Ziffern der Einwanderung nach Palästina für die ersten sieben Monate des Jahres 1935. In diesen sieben Monaten sind einschließlich der Touristen, welche die Erlaubnis zum Daueraufenthalt erlangt haben, 34.900 Juden, das heißt durchschnittlich 5000 im Monat nach Palästina eingewandert. Das ist das Doppelte und Dreifache der Zahl von Juden, welche alle anderen Einwanderungsländer zusammen aufnehmen. Palästina ist damit zu einer Realität ersten Ranges im jüdischen Leben geworden. Etwa ein Sechstel der Einwanderer kommt aus Deutschland. In den anderen Ländern ist ein großer Teil der Auswanderer aus Deutschland wirtschaftlicher Flugsand und selbst das Recht des Verbleibens ist ihnen in keiner Weise gesichert. Ungeheures menschliches Elend häuft sich bei diesen Auswanderern auf. Demgegenüber haben die 3s.000 Juden, die nach Palästina gegangen sind, zum allergrößten Teil bereits ihren Platz in der Wirtschaft gefunden. Die Einwanderung von Jugendlichen aus Deutschland nach Palästina, die vor zwei Jahren begann und vorläufig 700 Jugendliche ins Land gebracht hat, in Kürze aber noch weit mehr nach Palästina bringen wird, ist eines der erhebendsten Ereignisse im jüdischen Leben. Für die Kinder bedeutet die Übersiedlung nach Palästina eine Art Wiedergeburt, die Rettung aus seelischer Verkrüppelung zu aufrechtem Leben. Hätten wir Lebensrettungsmedaillen zu verteilen, so hätten diejenigen, die diese Einwanderung betreut haben, insbesondere Miß Henrietta Szold, aber auch Dr. Senator und Dr. Landauer, und die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalijah in Berlin diese Medaillen zehnfach und hundertfach verdient. Jedes Kind, das dem Glutofen des Judenhasses entrissen wird, der Deutschland jetzt für jüdische Kinder ist, ist wirklich dem Leben wiedergewonnen. DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG PALÄSTINAS. Von der jetzigen Bevölkerung Palästinas ernähren sich etwa i$% von der Landwirtschaft, 25% von der Industrie, Handwerk und Bauwesen, 30% vom Handel, Verkehr, Transport, Touristik, 15% sind Beamte, Angehörige der freien Berufe und 15% leben entweder von Renten oder von Unterstützung. In dieser Berufsverteilung ist das Unbefriedigende der zu geringe Anteil an der Landwirtschaft. Ich habe bereits in meinem Kongreßreferat mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen, daß wir alle unsere Kräfte einsetzen müssen, um die Landwirtschaft zur Existenzquelle eines Drittels, mindestens aber eines Viertels der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu machen. Ohne eine solche Verbreiterung der landwirtschaftlichen Basis hat unsere Wirtschaftspyramide kein sicheres Fundament. Wir dürfen