Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 654 (sequence 659)
- Language
- German, English, Hebrew
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654 23. Kongreß-Sitzung: Schlußreden gegenzutreten und die sich bildende zionistische Einheit zu stärken, die auf diesem Kongreß ihren Anfang genommen hat. (Unter dem Eindruck dieser Worte erhebt sich der Kongreß von den Sitzen und bereitet dem Redner eine begeisterte, lang andauernde Ovation.) MENACHEM M. USSISCHKIN {Vorsitzender des A, C, mit lebhaft tem Beifall empfangen — spricht hebräisch): Wir trennen uns heute und gehen wieder auseinander. Der glücklichere Teil geht nach Erez Israel, der weniger glücklichere wird sich in die Länder der Galuth zerstreuen. Ich empfinde die Pflicht, euch hier meine Meinung zu sagen, damit ihr sie denen weitergebet, die euch zum Kongreß entsendet haben, und den Zehntausenden, die hinter den Schekelzahlern stehen. Wir gehen aus diesem Saale mit der klaren Erkenntnis, daß wir die Hauptpflicht erfüllt haben, um derentwillen wir hierher geschickt wurden. Zwei Meir („Leuchten"), Meir Jaari und Meir Großmann, haben hier gesprochen und sich über die neue Exekutive geäußert; sie haben jedoch Unrecht und haben uns den richtigen Weg nicht erleuchtet. Die große jüdische Welt, welche keine Programme, keine Proklamationen kennt, die einen einfachen und gesunden Instinkt hat, wird sagen, daß wir Erfolg hatten, daß der erste Versuch gemacht wurde, die Zersplitterung in unseren Reihen zu überwinden. Vor uns steht heute eine neue Exekutive, richtiger eine erneuerte, vor uns ein neuer Präsident, richtiger „Alt-Neuland". Exekutiven kommen und gehen, Präsidenten kommen und gehen, aber die Zionistische Organisation besteht ewig. Wenn wir heute hier den Weg gefunden haben, zwar nicht gänzlich Frieden zu schließen, aber den ersten Versuch zu machen, so ist es ein großer Erfolg, daß Raw Fischmann neben Jizchak Grünbaum sitzt. (Lebhafter Beifall.) Wir haben unser Ziel, die Befreiung des Volkes und den Aufbau des Landes, in den Mittelpunkt unserer Arbeit gestellt. Boden, Alijah, Aufbau, Gegnerschaft gegen den Legislative Council — das sind gemeinsame Ziele, die uns vereinen; alles andere ist ohne Bedeutung. Wenn ich auch der Gruppe B der Allgemeinen Zionisten angehöre, so bcdaure ich nicht, daß jener Flügel (Redner deutet nach links) so groß und stark ist. Ich wünsche euch, ihr möget zum nächsten Kongreß doppelt so stark kommen. Ich bedaure, daß der andere Flügel (weist auf die rechte Seite), hinter dem Hunderttausende stehen, schwach ist infolge von Gleichgültigkeit; ich wünsche ihm, daß er zweimal und dreimal so stark in den Kongreß zurückkehre. Wir haben hier eine Einigung zu verzeichnen, die sich vorläufig in der Wahl der Exekutive ausdrückt. Diese Einigung steht gegenwärtig nur auf dem Papier, aus ihr kann jedoch durch die Zusammenarbeit, wenn die Gewählten es nur verstehen, eine seelische, eine faktische Einigung werden. Vor einigen Tagen — heute verrate ich damit ja kein Geheimnis mehr — traf ich Dr.Weizmann, und er sagte mir, daß es nach dem Kongreß seine erste Aufgabe in Erez Israel sein werde, den ganzen Jischuw zu einer aufbauenden Körperschaft zu vereinigen, und er bat um meine Hilfe. Er brauchte mich nicht darum zu bitten. Er und die Exekutive aber sollen wissen, daß Einigung und Friede nicht durch Beschlüsse und Resolutionen am „runden Tisch", sondern durch Tat, Arbeit, Wahrheit, innere Überzeugung von der Notwendig-