Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 653 (sequence 658)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben-Gurion G63 Diese Erscheinung ist nicht nur bei uns zu merken, aber in unserem Rahmen, wo diese Erscheinung nicht ihresgleichen hat im Leben des Volkes und in der Geschichte seiner Befreiungsbewegung, muß sowohl die Arbeiterklasse, auf der die große historische Verantwortung lastet, als auch das ganze Volk unaufhörlich der Tatsache eingedenk sein, daß es unter uns keinen Menschen geben darf, der folgendes zu bezweifeln wagt: Der jüdische Arbeiter ist nicht ins Land gekommen, um seine Sondcrintercsscn zu vertreten, der jüdische Arbeiter in Erez Israel steht nicht im Gegensatz zu den historischen Bestrebungen des Volkes. Er ist auf der Bildfläche der Geschichte erschienen, tief durchdrungen von dem Inhalt und der Offenbarung seiner historischen Mission, um derentwillen die Besten der jüdischen Jugend, erst einige Dutzend, dann Hunderte und Tausendc, heute Zehntausende und morgen — wir hoffen es — Hunderttausende, nach Erez Israel gekommen sind als Boten und Herolde des Volkes und des Befreiungsgedankens. Es hat für sich den schwersten Teil dieses Werkes der Verwirklichung erwählt — die Arbeit. Nicht wie die jüdische Arbeiterbewegung in der Galuth, die sich in Gegensatz zu der Allgemeinheit des Volkes gestallt hat, sondern als treuer Bote des jüdischen Volkes erscheint der jüdische Arbeiter in Erez Israel, und als dieser Bote hat er seine Mission bisher treu erfüllt. Und so treu, wie er seiner Mission blieb, so treu blieb ihm das Volk. Dieser Kongreß ist der höchste Ausdruck dieser zweifachen gegenseitigen Treue, die im Leben und im Werke des Arbeiters ebenso wie in dem Verhältnis aller Schichten und Klassen der jüdischen Massen zu diesem Arbeiter zu erkennen ist. Nur diese gegenseitige Treue ermöglicht es jedem jüdischen Menschen, wo immer und unter welchen Bedingungen er sich befinden mag, den nationalen jüdischen Werten und dem Arbeitsgedanken unserer Freiheitsbewegung Treue zu bewahren und diese historische Mission auf sich zu nehmen. Dem ganzen Kongreß ist es, wie ich hoffe, gelungen, sich zu einer Zusammenfassung aller Kräfte im Zionismus aufzuschwingen. Wer die Verhandlungen geführt hat, weiß, wie schwer das war. Manchmal verzweifelten wir; denn oft waren nicht die große Aufgabe der Stunde, nicht die Nöte des Volkes und die Bedürfnisse der Verwirklichung Grundlage der Verhandlungen, sondern kleinliche Parteiberechnungen. Die Einigkeit, zu der wir gelangt sind, hat jedoch gezeigt, daß hinter diesen kleinlichen Berechnungen ein gemeinsamer Wille im Zionismus wirkt. Dieser Wille ist nicht nur einer einzigen Gruppe eigen. In der schweren Lage, in der sich die zionistische Bewegung heute befindet — diese Bewegung, in der große historische Kräfte, aber auch große Gegensätze und Interessenwidersprüche vereinigt sind —, war es oft schwer, die wahren schöpferischen Kräfte von bloßen Interessenansprüchen zu unterscheiden. Man mußte sehr vorsichtig vorgehen, um nicht über diesen Gegensätzen die gesunden Kräfte ins Hintertreffen zu drängen. Der Kongreß hat gezeigt, daß er diese Unterscheidungsfähigkeit besitzt. Wir stehen am Anfang der Vereinigung, vielleicht erst beim ersten Schritt. Doch schon bei diesen ersten Schritten ist die vereinigte Arbeiterbewegung entschlossen, mit ihrer ganzen großen Leidenschaft für die Verwirklichung der Erlösung dem Geist der Zersetzung ent-