Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 620 (sequence 625)
- Language
- German, English, Hebrew
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620 22. Kongreß-Sitzung: Bericht der Organisationskommission nisten für die Unterzeichnung einer Disziplinverpflichtung jedes Kongreßkandidaten stimmen würden. Dieses Prinzip ist von Ihnen nicht eingehalten worden. Ich mache niemanden einen Vorwurf, aber Sie können dann nicht sagen, daß die Vertreter der Arbeiterparteien ein Übereinkommen nicht gehalten haben. Die Exekutive hat einen Vorschlag vorgelegt. Ich habe ihn in der Kommission empfohlen. Ich habe allerdings daraus keine Kabinettsfrage gemacht, und zwar einfach deshalb, weil es nicht eine so entscheidende Frage ist. Eine Sache ist für mich klar, wenn auch vielleicht nicht für alle meine Freunde: daß dieses Wahlrecht des Zweijahresschekels die Struktur des Kongresses nicht wesentlich ändern wird. Nach meiner Meinung ist der Zweijahre:>- schekel nicht antidemokratisch, aber es gibt Personen, die anderer Ansicht sind. Und in der Exekutive war es nicht der Vertreter der Arbeiterpartei, sondern ein prominenter Allgemeiner Zionist, der den Standpunkt vertrat, daß er nicht demokratisch wäre. (Zwischenruf DR. SCHWARZBART: Weil er ein Hyperdemokrat ist!). Herr Dr. Schwarzbart, es ist besser, ein Hyperdemokrat zu sein als ein Hyperantidemokrat. Zu viel Demokratie kann in unseren Zeiten nicht schaden. Machen Sie also aus dieser Frage nicht ein Werkzeug zur Bekämpfung der Parteien oder der Mitglieder der Exekutive. BERICHTERSTATTER I. MEREMINSKI: Als Vorsitzender der Kommission muß ich einige Bemerkungen machen: wir gehen von diesem Kongreß mit großer Unruhe über den Zustand der Zionistischen Organisation fort. Die Frage, die vor uns steht, ist in ihrer konstruktiven Gestalt die, die jüdischen Massen, die bereits den Schekel zahlen und ihn in Zukunft zahlen werden, mit der Verwirklichung des Zionismus zu verknüpfen und aus ihnen feste Mitglieder der Zionistischen Organisation zu machen. Wenn wir jedoch dem einzelnen sagen: „Du hast zwar den Schekel gekauft, wählen aber darfst du nicht", dann stoßen wir ihn ab. Es ist sehr schwer, jemandem zu sagen, daß er im Jahre 1935 nicht wählen darf, weil er im Jahre 1934 noch nicht den Schekel gezahlt hatte, weil er den Zionismus damals noch nicht bejaht hatte oder vielleicht noch in einer assimilatorischen oder in der revisionistischen Bewegung gefangen war. Mir kommt es sehr seltsam vor, daß sich einer meiner Vorredner pathetisch an das patriotische Gewissen des Kongresses gewandt und im Namen eines „modernen Patriotismus" die Forderung gestellt hat, die Massen der Schekelzahler und Kongreßwähler einzuschränken. Wenn der Minderheitsvorschlag tatsächlich „patriotisch" ist, dann war er es doch auch in den früheren Jahren, als Ihr die entscheidende Mehrheit auf 17 Kongressen wäret, während der Arbeiterflügel erst auf den letzten beiden Kongressen etwa die Hälfte des Kongresses und, zusammen mit den progressiven Elementen, seine Mehrheit erst auf einem Kongreß bildet — warum also habt Ihr den Zweijahresschekel oder den Zweistimmenschekel nicht eingeführt, als Ihr die entscheidende Mehrheit wäret? Diejenigen, die sich Judenstaatspartei nennen, — wollt Ihr uns vergessen machen, daß Herzl diesen Judenstaat gefordert hat? Hat er jedoch den Zweijahresschekel oder den Zweistimmenschekel gefordert? (Zwischenrufe: Damals hat man Schekel noch nicht gratis verteilt! — Zwischenruf DR. SCHWARZ-