Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 604 (sequence 609)
- Language
- German, English, Hebrew
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<>04 21. Kongreß-Sitzung: Bericht der Organisationskommission differenzen noch nicht so groß sind. In den Ländern aber, wo bereits große Parteidifferenzen bestehen, ist das Prinzip eines territorialen Zwangsverbandes mit großen Gefahren verbunden. Es muß eine Pazifizierung auf moralischem Wege der organisatorischen Gleichschaltung vorangehen, sonst wird der Parteikampf noch verstärkt und die normale zionistische Arbeit gefährdet werden. Die Versöhnung erfolgt nicht durch einen territorialen Zwangsverband. Man mache die nächsten zwei Jahre in den kleinen Ländern die Probe und man wird sehen, wie die Sache ausgeht. Ich beantrage also, den ersten Satz des Kommissionsantrages A betreffend die zionistische Landesorganisation folgendermaßen zu formulieren (liest): Nur in Ländern mit höchstens 150.000 jüdischen Einwohnern besteht clr.: einheitliche zionistische Landesorganisation. BERICHTERSTATTER I. MEREMINSKI: Herr Dr. Reichmann hat hier von „Gleichschaltung" etc. gesprochen. Ich möchte alle Reden, die die Sache nicht klären, sondern verwirren, „gleichschalten". Ich bitte doch alle die, die den Ergebnissen der Kommission nicht zustimmen, ihren Standpunkt offen darzulegen und zu begründen, nicht aber zu versuchen, den anderen lächerlich zu machen. Unser Antrag will die Massen der Schekelzahkr aktivieren und da kommt Herr Dr. Reichmann und entdeckt für uns Länder, in denen es nur Hunderte von Schekelzahlern gibt. Ich halte es für überflüssig, über den Antrag des Herrn Dr. Reichmann zu diskutieren. DR. SIMON FEDERBUSCH (Misr., Finnland — spricht jüdisch): Wir glauben nicht, daß die Organisation gesunden wird, wenn man eine Zwangslandesorganisation einführt. Ein sehr lehrreiches Beispiel sind die Konsequenzen der Disziplinklausel, die zur Folge hatte, daß eine ansehnliche Gruppe dem Kongreß ferngeblieben ist. Wir haben zwar die Notwendigkeit der Disziplin anerkannt, waren uns aber darüber klar, daß sie unsere Bewegungsfreiheit wie die jeder Minorität beeinträchtigt. Der Misrachi hält es nämlich auch für eine religiöse Pflicht, in Fragen ersten Ranges die nationale Einheit zu wahren. Die Frage des Territorialverbandes aber halten wir nicht für eine lebenswichtige Frage der zionistischen Bewegung. Daß der Misrachi als Vertreter des religiösen Judentums im Zionismus einer Majorisierung auch in den Landesorganisationen ausgesetzt sein soll, hält er für unvereinbar mit seiner Aufgabe in der Organisation. Wir sind eine freiwillige Bewegung, und die Erfahrung der letzten Jahre hat uns gezeigt, daß eine Majorisierung im Interesse der Einheit des Zionismus nur mit großer Vorsicht erfolgen darf. Sie wollen die Minorität zu etwas zwingen, worauf sie nicht eingehen kann. Wir können uns von der Majorität nicht erdrücken lassen. Wenn Sie auf dem in den letzten Tagen auf dem Kongreß erfreulicherweise eingeschlagenen Wege der Versöhnung weitergehen wollen, dann bitte ich Sie als einer, der das Beste des Zionismus will, keine Erbitterung zu schaffen und auf eine Majorisierung auf einem Gebiete, wo keine Notwendigkeit dazu vorliegt, zu verzichten und sich die Parteiverhältnisse auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses entwickeln zu lassen. Dies wird eher zu einer Vereinheitlichung der Zionistischen Organisation führen als aufgezwungene Territorialverbände, die durch das Bewußtsein des Zwanges die Gegensätze noch verschärfen werden.