Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 531 (sequence 536)
- Language
- German, English, Hebrew
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U ssischkin 531 tums, der sich aus dem oder jenem Grunde zu Raw Kuk nicht so ehrerbietig verhielt, wie es dieser große Mann verdient hätte. Die Radikalen, insbesondere unter der Jugend jenes Lagers, beleidigten ihn mitunter in der rohesten Form. Das Verhältnis dieses großen Mannes zu ihnen aber änderte sich gar nicht, es blieb ein Verhältnis der Sympathie, der Liebe, des guten Willens und des Friedens. Ebenso war es gegenüber dem anderen Lager. Auch unserer jungen, chaluzischen Jugend stand er viele Jahre mit Sympathie und Liebe gegenüber. An jedem Simchath Thora-Feste pflegten Jünglinge aus dem extrem linken Lager zu Hunderten zu kommen, um mit ihm zu Ehren der Thora zu tanzen. Aber dann trat der Fall ein, daß ein Mißverständnis zwischen dieser Jugend und ihm auftauchte. Die Beziehungen änderten sich ein wenig. Das Verhältnis verwandelte sich jedoch nur von der einen Seite und nicht von der anderen. Raw Kuk blieb seiner Liebe und Sympathie für das Lager unserer Jugend treu, als ob nichts geschehen wäre. Er verstand, daß es mitunter Momente einer gewissen Ekstase und gewisse Fehler gibt und daß man über derlei mit Stillschweigen und mit Sympathie hinweggehen muß — dann vereinigen sich wieder die Herzen und die Seelen. Er war offiziell der Oberrabbiner von Erez Israel, aber in Wirklichkeit war er viel mehr als das. Er war in unserer Zeit, wenn nicht offiziell, so doch moralisch der Führer des Weltrabbinats des Judentums, auch in der ganzen Galuth. Überall in der Diaspora erkannte man seine Autorität an, alle erkannten an, daß es keine durchschnittliche Persönlichkeit, kein Raw schlechthin sei, daß sich in diesem Siebzigjährigen die Kraft reicher Kenntnisse, tiefer, innerer Religiosität, das Verständnis für die neue Generation, grenzenloser Liebe für sein Volk, die Kraft seiner Seele vereinigte, die ganz erfüllt war von Schmerz über das große Unglück des Volkes in allen Ländern, einer Seele, die zum Aufbau des Volkes und des Landes und in erster Linie zur Vereinigung aller Teile des Volkes hinstrebte. Mochte man ihm offiziell zustimmen oder nicht, im Innern fühlte ein jeder, daß er vor einer Persönlichkeit ersten Ranges stand, wie sie sich nicht alle Tage unter uns findet. Heute ist er von uns gegangen und weilt nicht mehr in unserer Mitte. Obwohl wir schon vor einem halben Jahre wußten, daß sein Zustand verzweifelt sei, daß der Krebs ihn aufzehre und seine Tage gezählt seien, glaubten wir doch bis zum letzten Augenblick, ihn vielleicht doch noch in unserer Mitte sehen zu können. Das Schicksal hat es anders bestimmt. Wir stehen' vor dem offenen Grabe dort in Jerusalem, auf dem ölberg. Nehmen wir die Entscheidung des Schicksals hin. „Der gegeben, hat genommen, sein Name sei gelobt." Ich habe meine Worte mit einer Kundmachung zu beschließen. Bereits vor einigen Monaten haben wir in der Sitzung des Direktoriums des Keren Kayemeth den großen Heimgegangenen an seinem siebzigsten Geburtstag, der in diesen Monat fällt, ehren und eine der ersten Kolonien, die in Erez Israel gebaut werden, nach seinem Namen benennen wollen. Dort sollte eine Bevölkerung leben, die in ihrer Weltanschauung der Auffassung des Raw Kuk nahestand. Statt dies für den Lebenden zu proklamieren, proklamieren wir es nun für den Dahingeschiedenen. Wir erklären, daß in Bälde, 34»