Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 530 (sequence 535)
- Language
- German, English, Hebrew
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630 i8. Kongreß-Sitzung: Tranerfeier für Oberrabbiner Kuk Als ich später nach Erez Israel kam, hielt ich es natürlich für erforderlich, die Bekanntschaft des Mannes zu machen, dessen Name ihm voranging, und ich erkannte, daß die Worte Bialiks richtig waren. Raw Kuk war voll von Gedanken, von leuchtenden und funkelnden Gedanken auf allen Lebensgebieten. Wenn man mit ihm sprach, war es unmöglich, Dialoge zu führen, er füllte stets den ganzen Raum des Gespräches aus und der andere mußte zuhören, aufmerken, und empfing dabei so großen Reichtum, daß er nicht immer imstande war, sich zu sammeln und all die Geistesblitze, all das Wissen und all die Gedanken zu verstehen, die so schnell, einer nach dem anderen, kamen. Wer mit dem Heimgegangenen ein Gespräch führte, ging stets aus seinem Zimmer mit einer neuen Auffassung, einem neuen Gedanken, einem anderen Verständnis, mochte er ihm nun zustimmen oder nicht. Das war nicht ein Gespräch mit einem Durchschnittsmenschen, sondern mit einem originellen Geist. Während er mit beiden Füßen auf dem Boden der alten, traditionellen Auffassung stand und niemals von dem Standpunkte wich, auf dem die Väter und Urväter gestanden, hatte er die Überzeugung, daß, um diese Auffassungen in der ihnen eigenen Form in die neue und erneuerte Welt einzuführen, zuerst ein seelisches Verhältnis zwischen der neuen und der alten Generation vorhanden sein müsse. Die Verehrung dieses Mannes für die Jugend im allgemeinen und die Jugend Erez Israels im besonderen, deren Weltanschauung von der seinen meilenweit entfernt war, glich dem Verständnis eines Vaters für seinen Sohn, den er erziehen und sich näher bringen will einzig und allein durch Verständnis und durch Liebe. Und dieser Mann verteidigte seine Auffassung. Viele kennen sicher die wunderbare Antwort, die er einem sehr bedeutenden Rabbiner gab, als dieser vor ihm über sein Verhältnis zur antireligiösen Jugend, von der er so weit entfernt sei und die er doch anerkenne und verehre, Klage führte. Er fragte Raw Kuk: „Wie kannst du mit diesen Menschen gemeinsam arbeiten?" Die Antwort aber war: „Ihr wißt, daß zur Zeit, da der Tempel stand, es darin eine Vorhalle gab, das Heiligtum selbst und das Allerheiligste. Und es gab Grenzen für jeden einzelnen Teil des Volkes, welchen Ort er betreten dürfe, welchen Ort zu betreten ihm verboten sei und in welcher Form sich jeder am Tempeldienst beteiligen dürfe. Es gab Kohanim, Leviten, Israeliten und eine gesonderte Vorhalle für Frauen. Das alles — sagte der Verewigte — gab es zur Zeit, da der Tempel bereits stand. Aber zu der Zeit, da man den Tempel baute, gab es keine Scheidemauern. Damals hatte jeder das Recht, ins Allerheiligste einzutreten, denn es war die Zeit des Bauens. Heute — -sagte er — bauen wir den dritten Tempel. Wir stehen jetzt wieder in der Zeit des Bauens, und es gibt keine Scheidewand zwischen der Jugend und uns, zwischen den Orthodoxen und den Freigeistern. Wir alle haben ein Sei: Laßt uns erst das Heiligtum bauen, dann werden wir weiterreden!" Das war seine Weltanschauung vom ersten Tage, da er im Lande erschien, bis zum letzten Tage, bis zu seinem heutigen Hinscheiden. Und ein zweites: Ich sah unter unseren Großen aller Gattungen und aller Lager keinen Menschen, der so leicht ungerechtes Verhalten gegen seine Person verziehen hätte. In Erez Israel, hauptsächlich in Jerusalem, gibt es zu unserem großen Leidwesen einen Teil des extrem-orthodoxen Juden-