Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 511 (sequence 516)
- Language
- German, English, Hebrew
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Szold 511 daß Geisteskranke zu uns kommen und Elemente, die sich wirtschaftlich durchaus nicht eingliedern lassen. Die Ursache ist, daß die Palästinaämter bei der Zertifikaterteilung nicht jene sorgfältige Prüfung vornehmen, die notwendig wäre. Auch die Umschichtung ist kein leichtes Problem, ebenso die Wohnungsnot, vor allem für Familienväter und besonders in den ländlichen Bezirken, wohin wir uns bemühen, so viel Einwanderer wie möglich zu schicken. Ich möchte Sie an etwas erinnern, was Sie wahrscheinlich aus Ihrer Lektüre kennen und wovon ich selbst Zeuge war: daß nämlich sogar das reiche Amerika vor über etwa 50 Jahren, als der große Strom der Einwanderer aus Osteuropa hinzog, mit der Betreuung der Einwanderer nicht allein fertig werden konnte. Es mußte sich an Baron Hirsch wenden und Baron Hirsen gab von seinen Millionen die Mittel, die notwendig waren, um entsprechende Institutionen zu eröffnen. Der kleine Jischuw, der noch immer ein Mosaik ist, kann das Problem der Einwanderer nicht allein lösen. Für den Einwanderer brauchen wir Kreditanstalten, die nicht darauf bestehen, daß ihn wenigstens zwei Bürgen unterstützen. Der Einwanderer hat keine Bürgen. Wir brauchen eine besser ausgebaute, billige Gesundheitsfürsorge, und alles das kann nur dann geschaffen werden, wenn die jüdische Welt draußen sich daran beteiligt, das heißt zu den Mitteln beiträgt. Es fällt mir nicht ein, hier für eine Unterstützung unserer allgemeinen Fürsorge zu plädieren. Eigentlich würde ich persönlich jede Hilfe von außen für die soziale Fürsorge abweisen. Die Fürsorge für die Einheimischen ist unsere Pflicht. Das war von jeher die Pflicht einer jüdischen Gemeinschaft, und Palästina darf nidit weniger pflichtgetreu sein als die anderen kleinen Jischuwim in der ganzen Welt. Aber ich plädiere für eine Hilfe von außen bei der Betreuung der Einwanderer. Und deshalb haben wir uns an die Budgetkommission gewandt und verlangt, daß ein kleiner Posten für Betreuung der Einwanderer m das Budget aufgenommen wird. Ich hoffe, daß die Delegierten diesen Vorschlag mit ihrer Stimme unterstützen werden. Es hat sich in der letzten Zeit gezeigt, daß die Betreuung der Einwanderer von höchst produktivem Wert ist. Wenn wir ihn gleich nach seinem Kommen nach Erez Israel in die Arbeit einreihen können, dann haben wir einen höchst produktiven Faktor geschaffen. So ist es auch bei den Kindern. In Palästina leiden die Kinder darunter, daß das Schulwerk nicht so ausgebaut ist, wie es sollte. Ein Drittel aller schulpflichtigen Kinder verlassen die Volksschule vor ihrem 12. Lebensjahr, besuchen also nur 5 bis 6 statt 8 Klassen. In der Vorwoche vor meiner Abreise aus Palästina standen 13 Kinder in Jerusalem vor dem Jugendgericht. Wenn wir die Kinder in ihren Freistunden nicht betreuen, sondern ihnen die Möglichkeit geben, von 2 Uhr bis Mitternacht auf der Straße herumzuirren, dann muß daraus der Schluß gezogen werden, daß wir noch nicht getan haben, was uns zu tun obliegt. Das gilt für alle Schichten, für die religiösen und die minder religiösen, die orientalischen Juden und die Aschkenasim. Das jugendliche Delinquenten- und Verbrecherproblem wird von Tag zu Tag größer. Das hängt auch eng mit der Wohnungsnot zusammen. Es ist ein vielseitiges Problem, welches nur durch die Hilfe der Außenwelt gelöst werden kann. Ich spreche jetzt nicht von dem Problem der Psycho-