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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 501

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 501 (sequence 504)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Mossinson, Levinsobn 499 gleich darunter zu leiden haben. Wir wollen uns nicht täuschen, es ist uns eigentlich in der Galuth nichts mehr geblieben. Es gab eine Zeit, wo wir uns der falschen Hoffnung hingaben, daß wir uns durch den politischen Kampf würden retten können. Heute stehen wir fast in allen Ländern des Ostens, aber auch in den Ländern des Westens vor der zerbrochenen Krippe enttäuschter Hoffnungen. Wir glaubten, uns in den wirtschaftlichen Positionen erhalten zu können, und jetzt sehen wir, daß wir uns mit jedem Tage mehr einer wirtschaftlichen Katastrophe nähern. Wir verlieren eine Position nach der andern, und die einzige Festung, die uns noch geblieben ist, ist die Welt des Geistes, die Welt der Kultur. Wir glaubten, wir würden in dieser Welt Wurzel schlagen, es werde uns gelingen, auf diesem Gebiete eine große Kraft der Gegenwehr, eine Kraft des Selbstschutzes und der Selbsterhaltung für unser Volk zu schaffen. Aber auch diese Festung, auch dieses letzte Bollwerk wird allmählich zerstört, und man muß wirklich den Mut der Leute bewundern, die, obwohl sie in der profanen Kultur der Belletristik, Literatur und Kunst nichts bedeuten, doch in dieser gefahrvollen Stunde tadeln und die Kulturarbeit hindern wollen. Es ist schwer, zu dieser späten Stunde ausführlich über die große Tragödie der hebräischen Kultur in der Galuth zu sprechen. Man kann nur in allgemeinen Sätzen sagen, daß wir beinahe nichts mehr haben. Die Statik der hebräischen Kultur, die wir von Berl Kaznelson hörten, war gut. Wir haben eine Jugendbewegung, wir haben eine Chaluzbewegung, man spricht hebräisch, es bestehen Erziehungsinstitutionen, kurz, die Statik ist auf den ersten Blick schön. Es gibt aber auch einen dynamischen Zustand der Entwicklung der Kräfte, und diese Entwicklung geht für uns in einer grausamen und tragischen Richtung. Die politischen Änderungen, die in der Welt vor sich gehen, die Beherrschung der Welt durch die Kräfte der Reaktion bringen es mit sich, daß viele unserer Erziehungsanstalten geschlossen werden. Die Eltern schicken ihre Kinder in die staatlichen Schulen, weil dort der Unterricht gratis ist. Die Regierungen bemühen sich, den Kindern in ihren Schulen ihre staatlichen Grundlagen einzupflanzen auf Kosten der nationalen Werte unserer Schule. Viele unserer Schulen müssen geschlossen werden. Es gibt heute kein jüdisches Schaffen in der Galuth, man kauft und verkauft keine hebräischen Bücher, es ist nichts mehr zu hören von hebräischer Kunst, es gibt keine Organisationen für den Vertrieb hebräischer Bücher. Der letzte Funke Israels erlischt, die Schechina verläßt uns. Ich frage daher: Wie können wir unter diesen Umständen noch einen Bruderstreit entfesseln? Wir hofften, aus Erez Israel werde die Erlösung kommen, wir knüpften an dieses Land unsere Hoffnungen, wir glaubten an das geistige Zentrum. Aber Erez Israel kann nicht einmal für sich selbst das geistige Zentrum schaffen — die Zahl der geistigen Zentren in Palästina ist so groß wie die Zahl der Rabbiner und Schriftsteller, die in Tel-Aviv und Jerusalem herumgehen. Und nun steht e$ so, daß nicht nur Palästina die Galuth nicht beeinflußt, sondern die Galuth übt einen immer stärkeren Einfluß auf Erez Israel im geistigen und kulturellen Sinne aus. Die Galuth mit ihren Massen prägt Erez Israel ihren Stempel auf. Woher wird die Rettung kommen? Wie werden wir diesem Zustande gegenüber standhalten können? Glaubt ihr, daß Keren Hajessod und Keren Kayemeth 32»

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