Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 500

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 500 (sequence 503)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476292--9544-3485695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

498 j6, Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kulturfragen ist es ein wenig sonderbar, daß Rosenhek, der aus der Galuth kommt, über die Notwendigkeit der Kultur zur Vorbereitung für Erez Israel spricht, und ich, der ich aus Erez Israel komme, über die Notwendigkeit großer kultureller Arbeit in der Golah für die Erhaltung des jüdischen Volkes in der Golah rede. Unsere Partner in der Agency sind nur mit dem Aufbau Palästinas einverstanden, während wir auch vom Bestände und der Erhaltung des jüdischen Volkes in der Diapora sprechen. Wenn wir den jungen Menschen in einer Zeit der Verfolgungen, da man sie mißachtet und mit Füßen tritt, nicht jüdischen Inhalt, die Kenntnis ihrer Sprache und ihrer Geschichte geben, wenn wir ihnen nicht inneren jüdischen Gehalt verleihen, wie werden sie gegenüber diesen Verfolgungen und dieser Mißachtung bestehen können? Wir haben für die Erhaltung des Judentums gekämpft. Wir müssen diesen Punkt in das Programm unserer Organisation aufnehmen. Vielleicht braucht der Zionismus mehr die Kultur, als die Kultur den Zionismus braucht. Der Zionismus braucht die Kultur, damit der Zionismus bestehen, damit er neue Kräfte für die Fortsetzung der Arbeit aus dem Reservoir der großen jüdischen Massen schöpfen kann. Das Volk in der Galuth geht dem geistigen Tode entgegen, und diesen können wir nur aufhalten durch Kulturarbeit in der Galuth in Verbindung mit der Erziehungs- und Kulturarbeit in Palästina. Ob wir einen besonderen Fonds oder eine neue Abteilung in dv*r Exekutive schaffen sollen, das ist eine Frage, die man noch wohl überlegen und abwägen muß, und ich weiß nicht, ob wir jetzt darüber beschließen können. Mir ist bloß klar, daß hier der Beschluß gefaßt werden muß, die neue Exekutive möge verpflichtet werden, diese Frage in den Mittelpunkt ihres Interesses zu rücken. Dafür muß eine Art von Erziehungsministerium errichtet werden. Vielleicht haben wir kein Geld dafür, doch manchmal ist nicht das Geld das Entscheidende, sondern die Zusammenfassung der Kräfte und die planmäßige Arbeit, die Vereinheitlichung der Arbeit in den einzelnen Ländern und ihre Zielsetzung. Diese Arbeit ist von großer Bedeutung und kann ohne große Mittel geleistet werden. Wir müssen jedoch die Zionistische Organisation und die Exekutive für diese Arbeit interessieren. Das wird zweifellos nicht nur für die Kulturarbeit, sondern auch für die Zionistische Organisation und ihre Entwicklung segensreich sein. (Beifall.) ABRAHAM LEVINSOFIN (Arb., Polen — spricht hebräisch): Es ist sehr zu bedauern, daß man in diesem Saale das Echo des zionistischen Kulturkampfes von vor 35 Jahren zu hören bekam, noch mehr, daß wir uns hier in dem halbleeren Saal an die berühmt gewordenen Worte von Awinowitzky auf dem V. Kongreß: „Für Kultur alle Sympathie, aber keinen Pfennig!" erinnern müssen. Inzwischen sind 35 Jahre vergangen, inzwischen ist so manches in der Welt geschehen, eine tiefgreifende Erschütterung der Welt eingetreten, doch unsere Rabbiner haben leider nichts gelernt, aber auch nichts vergessen. Wir bedauern das nicht wegen der gegenseitigen Meinungsverschiedenheiten, sondern deswegen, weil, während wir unter uns die ideologischen Kämpfe austragen, eine dritte Kraft außerhalb dieses Saales uns bestürmt und bedrängt, die keinen Unterschied zwischen uns und euch macht.. Wenn der bittere Tag der Zerstörung der Kultur kommt, der Tag, an dem die Sprache vergessen sein wird, dann werden wir alle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.