Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 499 (sequence 502)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky, Mossinson 497 rade dort dieses Erwachen so gewaltig ist. In jeder größeren Stadt organisiert man — nicht von Seiten der Juden und nicht von seiten der Jüdischen Gemeinde, sondern von Seiten der nichtjüdischen Stadtverwaltung — hebräische Kurse für Juden auf Kosten der Stadtgemeinden. Wenn die Nichtjuden das tun, so ist der Zionisten-Kongreß ebenfalls verpflichtet, so zu handeln. Ich will nicht mit dem Misrachi diskutieren. Ich akzeptiere vieles von dem, was hier Raw Amiel und Raw Berlin gesagt haben, aber nach meiner Meinung als einfacher Jude und einfacher Zionist, der will, daß sein Sohn besser als er hebräisch kann, bitte ich Sie alle, auf welcher Seite immer Sie sitzen mögen, dabei mitzuhelfen, daß die Zionisten in der ganzen Welt ihre Kinder hebräisch lehren und daß sich die Jewish Agency mit der Sache befasse. (Lebhafter Beifall.) Dr. BENZION MOSSINSON (Weltverb. Allg. Zion., Argentinien — spricht hebräiscl?): Ich habe mich als Redner vormerken lassen, als Kaznelson sprach, weil ich zu meinem Bedauern mit seinem Referate nicht zufrieden war. Ich hatte mir vorgestellt, daß es ein Referat über die Lage der Kulturarbeit in der Golah und über die Notwendigkeit einer umfassenden Kulturarbeit daselbst sein würde. Kaznelson hat jedoch in seinem Referate der Darlegung der Notwendigkeit des Hebräischen überhaupt einen breiten Platz eingeräumt, was gänzlich überflüssig war. Leider hat sich die ganze Diskussion dann nach einer völlig anderen Seite gewandt und man bat die Fragen der künftigen Arbeit überhaupt nicht berührt. Ich bedaure das. Kaznelson sagte, eine besondere Kulturorganisation sei nicht nötig, die Zionistische Organisation solle sich mit der Kulturarbeit befassen. Ich würde ihm zustimmen, wenn ich den Glauben hätte, daß die Zionistische Organisation dies tun wird. Leider hat das Verhältnis zu dem Problem am heutigen Abend in mir schwere Zweifel geweckt, ob die Zionistische Organisation bereit ist und ob es nicht einer besonderen Organisation für die Kulturarbeit bedarf, die sich mit Ernst dieser Aufgabe zuwendet und in ihr ihre Lebensaufgabe sieht. Die Redner des Misrachi haben mich heute in Erstaunen gesetzt. Raw Berlin sprach über die alte Kultur, über Thora, Religion und dergleichen. Ich glaube, man kann der Kultur keine Grenzen setzen, und wenn man hebräisch unterrichtet, so ist dies meiner Meinung nach der Weg zur alten Kultur. Wer Hebräisch versteht, kann in den Palast der antiken Literatur eintreten, wer nicht Hebräisch kann, ist dazu nicht fähig. Raw Berlin sprach davon, daß das Tun mehr sei als das Lernen, er vergaß nur, daß das Lernen zur Tat führt. Ich glaube, der Misrachi hätte hier vielleicht Forderungen stellen können, wie man lehren soll, uns jedoch nicht davor warnen sollen, mit einer Tätigkeit einzusetzen, die zu Trennung und Entzweiung führen könnte. Ich möchte den Misrachi fragen: Wenn die Unwissenheit immer größer wird und die ganze jüdische Gasse erfaßt, wird dies besser für euch sein, ist euch das lieber, als die Kultur- und Erziehungsarbeit in den Rahmen der Zionistischen Organisation einzufügen? Auch der Grund, den Herr Rosenhek hier vorgebracht hat — daß man Kinder für Erez Israel vorbereiten müsse — sagt noch nicht alles. Vielleicht 32