Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 496 (sequence 499)
- Language
- German, English, Hebrew
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494 j6. Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kultur fragen sprach darüber, Was der jüdische Nationalismus getan hat, um in das ganze Leben des Volkes eine völlige Umwälzung zu bringen. Er sagte: „Wissen Sie, warum unsere frommen Juden die Aufklärer haßten? Weil ihnen die Thora wichtiger war als Israel." Was hören wir nun von unseren Freunden vom Misrachi? Sie sagen: „Lehret die Thora, denn sie ist das Licht des Judentums, sie bewahrt das Judentum!4* Daraus geht hervor, daß nach ihrer Meinung der Bestand des Judentums das Ziel ist und die Thora sein Licht bewahrt, daß sie also das Mittel ist. Und noch etwas sagte Bialik: „Sehen Sie, wie die nationale Bewegung und insbesondere die hebräische Kultur das ganze Verhältnis unserer jungen Generation, aller derer verwandelt hat, die in die zionistische Arbeit als Schüler von Marx und als Sozialster» eintraten! Erinnern Sie sich, was die Bewegung der Poale Zion vor dreißig Jahren war und was uns Borochow, 4er Begründer der Poale-Zion-Bewegung, sagte? Es bestehe die Notwendigkeit, die Proletarisierung der jüdischen Massen durchzuführen, und weil dies in der Golah unmöglich sei, müsse man nach Erez Israel gehen und dort die Möglichkeit schaffen, man müsse sich der jüdischen Massen bedienen, um eine sozialistische Front zu schaffen, die für den Sozialismus kämpfen wird.44 Das war der Anfang und das ist die Basis der Poale Zion. Was hören wir jetzt aus dem linken Läger? Wir haben hier von den Vertretern dieses Lagers gehört, daß sie diese starke Organisation der Arbeiter jn Erez Israel und in der Golah nicht durchaus dazu verwenden wollen, um starke Fronten für den sozialistischen Kampf zu schaffen, sondern daß sie sie für den Aufbau des Landes und den Bestand des Volkes benützen wollen. Jetzt frage ich Sie: Woher kam dieses Wunder, diese Unrwälzung, die während der letzten 25 Jahre an . diesen beiden extremen Flügeln vor sich gegangen ist? Was ist geschehen? Es geschah, daß es einen Geist des alten Israel gibt, eine hebräische Kultur, wie sie Raw Amiel verlangt, nicht nur Sprache als etwas Aeußerliches, sondern Sprache als der Schlüssel, um in die hebräische Literatur einzudringen, nicht nur in die Schriften Bialiks und Achad Haams, die Ihr jetzt unter die alten Besitztümer unseres Volkes aufzunehmen beginnt, die uns gelehrt haben, daß es einen Übergang, eine Kontinuität geben muß von der alten Kultur bis zur jüngsten Zeit. Das ist es, was Bialik meinte, als er darauf hinwies, daß sich im Judentum im Angesichte der hebräischen Kultur eine große Umwälzung vollzieht. Soll das aufhören? Es muß sich fortsetzen. Die Zeit ist gekommen, da dieser Kongreß einschließlich der beiden extremen Flügel verkünden sollte, daß wir bloß mit den Besitztümern der Vergangenheit nicht zu existieren vermögen. Eine neue Generation ist erstanden, die „Josef nicht kannte", und wenn Sie jetzt nicht das Licht, das im Judentum leuchtet, in Erez Israel und in der Golah verbreiten, dann wird eine Generation kommen, die durch eine tiefe, unüberbrückbare Kluft vom Streben nach der Renaissance getrennt sein wird. Was müssen wir tun, damit sich diese Kluft nicht vor uns öffne, nicht die Wurzeln des Baumes zerstört werden, auf dem wir wachsen? Ebenso wie