Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 497)
- Language
- German, English, Hebrew
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492 i6. Kongreß-Sitzung: Interpellationen pellanten und der von ihm zitierten Zeitung und ihrem Korrespondenten besteht, so belehrt es uns doch über die Beziehung des Korrespondenten zu der Partei des Interpellanten. Ich wundere mich nicht über die Entstellungen und Lügen, die während der wenigen Kongreßtage bereits in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht wurden. Herr Weinstein hat sich nur diese eine Zeitung ausgesucht. Was in der Zeitung behauptet wurde über den Kondolenzbrief an Hitler und die mir in den Mund gelegten Worte, „die jüdische Oeffentlichkeit müsse mit der Propaganda gegen Deutschland aufhören und man müsse mit diesem Staate gute Beziehungen unterhalten1', sind niedrige Verleumdungen eines gewissenlosen Journalisten, der scheinbar Beziehungen zu jemandem hat, der im Kongreß Fragen stellen kann. Ich weiß nur nicht, ob Herr Weinstein das Recht hat, unter dem Vor wände einer Interpellation solche Schimpf worte in den Kongreß zu tragen, wo doch die Herren oder einer der Herren die Adresse des Mannes, dem die Worte in den Mund gelegt wurden, finden und ihn selbst fragen könnte, ob sie richtig sind. Ich wundere mich jedoch über das kultivierte Verhalten des Interpellanten nicht. lieber die Qualität der von Herrn Weinstein zitierten Worte habe ich bereits gesprochen. In dem Telegramm steckt ein Körnchen Wahrheit, die jedoch entstellt wurde durch Anhäufung von Worten, die nicht gesprochen wurden. Wahr ist, daß ich gesagt habe, die Zionistische Organisation habe, obwohl sie keine staatliche Macht und keine Staatsrechte besitze, Staatspflichten, trage staatliche Verantwortung und könne sich in ihren Beziehungen zu den bestehenden Staaten nicht immer das erlauben, was sich eine freie Versammlung, die keine Verantwortung hat, erlauben dürfe. Diese Worte bin ich bereit, auch hier zu wiederholen; ich glaube, es ist gut, daß jeder Zionist sie kennt. Die Verantwortung für die Entstellungen und die im Telegramm zitierten Verleumdungen fällt dagegen auf den Korrespondenten und auf die, welche mit ihm in Verbindung stehen, zurück. BARUCH WEINSTEIN (Judenst., Erez Israel — spricht hebräisch): Die Antwort des Herrn Ben-Gurion bezog sich nicht auf den Inhalt der Interpellation, sondern war von einer bestimmten Absicht getragen und machte gewisse Andeutungen über den Mann, der die Interpellation eingebracht hat, und über die Partei, die ihn auf diese Tribüne geschickt hat. Ich bitte ums Wort. VORS. VIZEPRÄS. DR. GOLDMANN: Nach unserer Geschäftsordnung kann nach der Antwort auf eine Interpellation niemandem das Wort erteilt werden. Sie haben nur das Recht, dem Kongreß vorzuschlagen, über die Interpellation eine Debatte zu eröffnen. So lange jedoch kein solcher formeller Antrag vorliegt, hat niemand das Recht, Zu sprechen. BARUCH WEINSTEIN: Wenn es so in der geheiligten Geschäftsordnung geschrieben steht, beantrage ich, daß der Kongreß über die Antwort von Ben-Gurion die Debatte eröffnet. Der Antrag Weinstein wird mit überwiegender Majorität abgelehnt.