Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 492 (sequence 495)
- Language
- German, English, Hebrew
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490 i6m Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kulturfragen linge des Beth Hamidrasch, sahen noch das Licht, das die Thora und das traditionelle Judentum ausströmte. Die heutige Kultur hat nicht den mindesten Zusammenhang mit unserer Tradition und unserer Seele. Ihr treibt den Gott Israels aus der Mitte Israels, zerschneidet das Band zwischen beiden. Das ist die Antwort auf die Frage, warum der Zionismus keine neuen Werte geschaffen hat, wenigstens auf dem Gebiete der Geschichte. Ganz einfach deshalb, weil er nicht das richtige Verständnis für unsere Geschichte hat. Ohne unser hohes Ideal haben wir keine Geschichte, sind wir nur abgerissene Glieder, Fragmente ohne jeden Zusammenhang. Ohne unser Ideal sind wir nur ein verfolgtes Objekt, aber kein lebendes Volk. Mit einem Wort, ohna den Gott Israel gibt es auch keine Geschichte Israels. Achad Haam unterscheidet in seinem kurzen Aufsatz „Renaissance der Schöpfung" zwischen diesen beiden Begriffen, „Chibbat Zion44 war ein Zionismus der Renaissance des alten Volkes, der moderne Zionismus aber ist nur eine falsche Neuschöpfung (Lachen im Saale). Achad Haam stand auch sehr weit von uns, trotzdem aber verstand er, daß es eine Wiederbelebung des Volkes mit Ausschluß der Thora und des Heiligen, gelobt sei er, nicht gibt. Denn letzten Endes ist die Seele des Volkes untrennbar verknüpft mit der ühora and dem Gotte Israels. Wer das leugnet, hat keinen Zusammenhang mit einer wirklichen Wiederbelebung des Volkes. Es ist ausgeschlossen, das Volk wieder zu beleben ohne die Thora und ohne den Gott Israels. Aber diese Jungen da wollen das. Das ist der Unterschied. Es kann keine Kultur geben, wenn man nicht vorher begreift, was „Judentum** ist. Wir haben einen alten Begriff für das Wesen des Judentums, die üh]praf Und wer die Thora gegen eine andere Lehre eintauscht, der schließt sich nicht nur von unserem Glauben, sondern auch aus unserem Vplke atrs, der ist ein Renegat. Ihr aber habt keinen Begriff, was Judentum ist. Für Euch ist Judentum — die hebräische Sprache. Folgerichtig müßtet Ihr nun sagen, daß, wer nicht hebräisch spricht, ein Renegat sei, so wie wir das von einem sagen, der seinen Glauben wechselt. Andererseits wieder müßtet Ihr sagen, daß ein Nichtjude, der hebräisch spricht, schon ein Jude ist, so wie wir einen Proselyten, der das Judentum angenommen hat, Jude nennen. (Zwischenruf SAMUEL ROSENHEK: Stimmt!) Dabei kommt Ihr selbst gar nicht zu dieser Konsequenz. Belehret uns doch, was Ihr unter dem Begriff Judentum verstehet! Das ist ein abgrundtiefes Problem. Wir verstehen unter „Judentum4" das Ideal des Kiddusch Haschern, das alte Ideal des Gottes Israel, dessen Herrlichkeit über die Welt reicht, kurz: wir verstehen das Judentum vom idealistischen, Ihr vom geographischen Standpunkt,, und von diesem Standpunkt aus gibt es keinen Platz für eine weite Kultur. Der Misrächi ist nicht gegen die hebräische Kultur, im Gegenteil- Sein Schwerpunkt liegt im Geistigen. Der Name Misrachi setzt sich, aus den Anfangsbuchstaben der Worte „Merkas Ruchani", geistiges Zentrum, zusammen. Das ist das absolut Geistige, für das wir alle Qualen der Hölle in unserer langen Geschichte erduldet haben. Wir