Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 486 (sequence 489)
- Language
- German, English, Hebrew
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1 484 i6. Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kulturfragen wollten, antwortete man uns: „Wir können ein solches Buch nicht akzeptieren, weil die Dinim uns nicht interessieren." Diese Einstellung idringt immer stärker in die Herzen der Massen ein. Heute habe ich mit einem der Männer gesprochen, die sich im Jischuw betätigen — er gehört nicht zu dem Kreise, in dessen Namen ich rede — und er sagte mir, es sei unmöglich, solche Zustände weiter zu ertragen; man müsse in unseren allgemeinen Schulen ein Minimum von Glauben und Religion einführen. Ich sagte ihm, daß die Zeit dafür noch nicht gekommen ist; denn selbst wenn wir jetzt beschließen würden, das, was man Religion nennt, in unseren Schulen einzuführen, so würde das wie der Religionsunterricht in Rußland sein. Religion unterrichtet man nicht nach Büchern, sondern nach dem Gefühl, durch Leben, Taten und Beispiel. So lange aber die meisten Erzieher und Lehrer, so langq die Verfasser der Lehrbücher selbst nicht als Beispiel dienen — nicht allein für die Kenntnis der Sprache, sondern für die Beobachtung des Judentums, für die Erkenntnis des Judentums — wird keine Satzung helfen. So lange nicht gegenseitiges Verständnis besteht, nicht nur zwischen den Parteien in diesem Saale, wird es nicht möglich sein, an diese schwierige Sache heranzugehen. Wenn jemand an irgend eine zionistische Körperschaft, die WIZO, die Hadassah oder wen immer herantreten will, so haben wir nichts dagegen. Aber die Zionistische Organisation, unsere Organisation, die jetzt in einer schweren Prüfung steht, rnuß alles tun, damit es nicht zu einer Zersplitterung komma. Ich fürchte sehr, wenn sich der Keren Hajessod mit diesen Dingen befaßt, wird es Menschen geben, die nur unter der Bedingung spenden werden, daß ihr Geld nicht für diesen Zweck verwendet wird, andere wiederum werden verlangen, daß man gerade von ihrem Geld für diesen Zweck gibt. Aber ich sorge mich nicht um das Inkasso, sondern um den Bestand der Organisation. Wir müssen danach streben, daß alles, was wir tun, uns so weit wie möglich einigt, und daß wir nicht in Spaltungen und Zwistigkeiten hineingeraten. Wir haben in den ersten Tagen des Zionismus genug darunter gelitten und sollen es nicht wieder tun. Wenn die Exekutive heute von den Massen beschickt wäre, die den Geist des ganzen Volkes kennen, nicht nur von einem bestimmten Teil, so würde sie heute keinen solchen Antrag stellen. Wenn es einzelne als Führer ihrer Gruppen tun wollen, so mögen sie es tun, die einen so . und die anderen anders. Aber in diesem Saale, in dieser Organisation, . auf dem Gebiet unserer gemeinsamen Arbeit sollen wir es nicht dahin bringen, daß es zu religiösen Streitigkeiten kommt. Hüten Sie sich ] davor. Wir müssen danach streben, daß die kommenden Geschlechter, die heranwachsen und erzogen werden, nicht nur Juden sind, die von Juiden abstammen, und nicht nur solche, die auf dem Boden Palästinas sitzen, sondern daß eine Generation heranwächst, welche die nach ihr Kommenden im Geiste Israels und in der Lehre Israels erzieht 1 (Beifall). IZCHAK GRÜNBAUM (Mitgl. d. Exek. — spricht hebräisch): Ich