Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 485 (sequence 488)
- Language
- German, English, Hebrew
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M. Berlin 483 Fundament unseres Werkes. Wir wollen nichts Schlechtes über die Kulturarbeit der Histadruth sagen, aber einverstanden sind wir mit ihr nicht, ebensowenig mit der Richtung der Allgemeinen Zionisten in der Erziehung. Wir lehnen sie beide ab. Mein verehrter Vorredner weiß, glaube ich, genau so gut wie ich, und sicherlich werden alle Mitglieder des Direktoriums des Keren Kayemeth darin einer Meinung sein, daß wir aus seinen Mitteln für Kulturzwecke nichts geben dürfen, selbst wenn der Vorschlag Berl Kaznelsons der Auffassung aller entspräche. Um wieviel weniger dürfen wir das tun, wenn es sich um einen Vorschlag handelt — ganz gleich ob an einen dritten Fonds oder an ein Departement der Exekutive gedacht wird — )der nicht nur nicht allen gemeinsam ist, sondern heute die Juden spaltet. Man darf nicht über Kulturfragen so oberflächlich sprechen, man muß den Kulturbegriff bis in seine tiefsten Tiefen untersuchen. Auch bei anderen Völkern denkt man, wenn man von Kultur spricht, nicht nur an Sprache. Um wieviel weniger darf man das bei uns tun, dio wir das Judentum nicht nur äußerlich, sondern von innen her erneuern wollen. Die Galuth des Geistes aufzugeben, aber ist noch schwerer als die Galuth der Materie. Esf wurde hier gesagt, daß man den 'Zionismus und die hebräische Sprache nicht voneinander trennen kann. Das stimmt, und ich will noch hinzufügen, daß man den Zionismus auch vom traditionellen Judentum nicht trennen kann. Die Auffassungen, die hier vorgebracht werden, sind zu oberflächlich. Wir müssen vorsichtig sein bei der Behandlung dieser Fragen, sonst könnte das zu einer Spaltung in der Organisation und in der Bewegung führen. Wenn wir Kulturarbeit als Selbstzweck betreiben könnten, wäre es natürlich sehr schön. (Zwischenruf SAMUEL ROSENHECK: Was ist Kultur?) Originelle Kultur ist, ein Schrifttum zu erlernen und zu lehren, zu hüten und zu erfüllen (Beifall beim Misrachi). Das ist unsere Kultur, nicht aber lernen und nicht erfüllen. Das wäre eine Nachahmung der Kulturen der anderen. Ich bedauere sehr, daß man den Namen des Mannes, der uns allen so teuer ist upd der den tiefen Sinn des traditionellen Judentums kannte, in diese Debatte hineingezogen hat. Der große Bialik beschäftigte sich mit vielen Dingen, und ein Buch, das ihm besonders nahe lag und über das ich mit ihm vor seiner letzten Reise nach Europa gesprochen habe, war das „Sefer Haschabbath". In der Liste der Bücher, die durch das Bialik-Institut herausgegeben werden sollen, finde ich dieses Buch aber nicht. Gerade dieses Buch über die Beobachtung des Sabbaths sollte das erste sein, das den Namen Bialiks mit der ganzen? Bewegung, mit dem ganzen Volke verbinden sollte. Es ist freilich nicht möglich, ein solches Buch herauszugeben und gleichzeitig den Sabbath zu entweihen. Die meisten Schüler der Tarbuth-Schulen werden nicht im Geiste der Beobachtung des Sabbaths erzogen. Ein moderner Lehrer hat ein schmales und ziemlich modernes Buch über den Begriff „Dinim" geschrieben, und als wir es in den Schulen der ^Tarbuth" einführen 31*