Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 480 (sequence 483)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9524-3485675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
478 j£. Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kulturfragen sehen Lehrer haben große Verdienste um die Renaissancebewegung, sehr viel ist auf ihr Konto zu setzen. Wenn wir irgend einen Juden fragen, woher er seine Kenntnis der hebräischen Kultur hat, wird er uns in den meisten Fällen antworten: ich hatte einen guten Lehrer. Wenn man andererseits einen Juden, der nicht hebräisch kann und nichts von der hebräischen Kultur weiß, nach den Gründen hierfür fragt, wird man in vielen Fällen die Antwort erhalten: der Lehrer, den ich hatte, hat mir die hebräische Sprache verhaßt gemacht. Wenn wir uns einerseits gern der guten alten Lehrer erinnern — auch der guten neuen — die so viel zur Heranbildung einer neuen jüdischen Generation beigetragen haben, so bleiben andererseits unverzeihlich und unvergessen, bei allen ihren großen Verdiensten auf anderen Gebieten, die anderen Lehrer, die ihren Schülern die hebräische Sprache verhaßt gemacht haben, und wenn wir jetzt unsere kulturelle Tätigkeit wieder aufnehmen und erweitern wollen, dann ist unsere erste Aufgabe die Heranbildung besserer hebräischer Lehrer. Wir müssen erkennen, welche Pionierbedeutung die Aufgaben des Lehrers in Palästina haben. EIN FONDS FÜR HEBRÄISCHE KULTURARBEIT. Ein zweiter Punkt ist die kulturelle Vorbereitung der Massen. Was heute in so dürftigem Maße bei einem Mangel an Kräften und Mitteln im Hechaluz vor sich geht, muß erweitert, geleitet und gefördert werden. Das Gleiche gilt für die Jugendorganisationen und die Frauenorganisationen. Wie soll das geschehen i* Welche Mittel haben wir dafür? Ich will darauf offen antworten: hinge es von mir ab, wären die Zionistische Organisation und ihre Organe dazu bereit, so würde ich beim Kongreß den klaren Antrag stellen, einen dritten Fonds, einen hebräischen Kulturfonds zu schaffen, und ohne einen solchen Fonds können die Fragen unserer kulturellen Tätigkeit wirklich nicht gelöst werden. Wir brauchen, wie wir einen Bodenfonds und einen Kolonisationsfonds haben, notwendigerweise auch einen Kulturfonds. Zu meinem großen Bedauern habe ich jedoch, als ich mich für diese Frage interessiert habe, gesehen, daß wir für diese große Tat noch nicht reif sind. Die meisten zionistischen Mitarbeiter leben bei uns immer noch in den Vorstellungen, daß eine Tätigkeit die andere stört. Ich für meine Person bestreite diese Auffassung. Ich glaube, daß es im Volke verborgene Quellen gibt, und daß man sie nur aufdecken muß, damit das Wasser hervorquillt. Unsere Seele hat verschiedene Saiten, man muß sie nur berühren. Der zionistischen Bewegung fehlen nicht die Spender und Geber, sondern die Menschen, die fordern und sammeln. Der beste Delegierte eines Fonds ist nicht der, der nur Geld sammelt, sondern der, der das Volk erzieht und die Schlummernden erweckt. Ich glaube, daß, wenn die zionistische Bewegung eine weitere große Aufgabe übernimmt, sie die neuen Menschen finden wird, die sich für diese Aufgabe erziehen lassen und die neue Aufgabe tragen werden. Da ich an einer Diskussion nicht interessiert bin, sondern Taten vorziehe, besonders Taten, die zum Ziele führen, so will