Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 478

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 478 (sequence 481)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476292--9522-3485673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

476 j6. Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kulturfragen individuelle, nicht soziologische Erscheinungen. Sie sind kein Ausdruck der historischen Entwicklung. Die Geschichte hat uns nicht die Freiheit gewährt, zwischen Land und Sprache einen Unterschied zu machen, sie gestattet uns auch nicht, theoretisch und praktisch zwischen der politischen und sozialen Renaissance einerseits und der kulturellen Renaissance andererseits einen Unterschied zu machen. EIN ARBEITSPROGRAMM FÜR PALÄSTINA. Ich habe nicht die Absicht, auf diesem Kongresse ein umfassendes Programm für die kulturelle Tätigkeit aufzustellen, die unser Volk und Palästina heute brauchen. Wollte ich alles, was ich auf dem Herzen habe, sagen, dann würden Sie glauben, daß ich mit wehem Herzen Lieder singe. Ich glaube, daß ich heute eine Liste all dessen\ was überhaupt getan werden müßte, nicht aufzustellen brauche, weil ich die augenblickliche Beschränkung unserer Kräfte und Mittel berücksichtigen muß. Ich glaube andererseits, daß, wenn wir an die Arbeit herangehen, die Kräfte und Mittel wachsen werden. Ich will also hier nur die wesentlichen Dinge aufzählen, mit denen wir unverzüglich beginnen müssen, die nationalen kulturellen Bedürfnisse, die nur durch die Hand einer staatlichen Gewalt befriedigt werden können. Das Wachstum des Jischuw, das bessere Bedingungen für die Entwicklung einer Literatur, Presse und eines Theaters in Palästina schafft, die Entstehung einer Schicht, die in der hebräischen Sprache und Kultur verwurzelt ist und ständig wächst, der Kreise der Schriftsteller, Lehrer, der Kindergärtnerinnen, Arbeiter und der Jugend, schafft Bedürfnisse und Möglichkeiten zugleich. Unter den Bedürfnissen gibt es solche, die von den Kräften Palästinas selbst befriedigt werden können, auf der anderen Seite aber wieder solche, die nur durch einen Judenstaat, d. h. durch die Zionistische Organisation, zu befriedigen sind. Es gibt Monumentalwerke, von denen wir bereits seit Jahren träumen. Heute sind diese bereits nicht mehr Luxusangelegenheiten, sondern vitale Bedürfnisse des Jischuw und der jungen Generation, die in Palästina aufwächst. Wir können diese Generation nicht geistiger Armut und einem Levantinismus überlassen, wir dürfen sie aber auch nicht ins Ausland schicken, damit sie dort ihre grundlegende Bildung in fremder Kultur erhält. Ich führe einige Beispiele an: eine große, allgemeine, hebräische Enzyklopädie, wie sie vor etwa fünfzig Jahren in Warschau begonnen wurde, und wie sie Herr Sokolow wiederholt gefordert hat. Eine solche Enzyklopädie ist heute wichtig, nicht für den seltenen hebräischen Leser, sondern für die junge Generation, die ein solches Werk zur Ergänzung ihrer Schulbildung braucht. Die Schaffung eines solch großen Werkes bedeutet die Heranziehung eines Kreises wissen- \ schaftlicher und literarischer Mitarbeiter zum Segen Palästinas und unserer Kultur. Ein zweites Erfordernis ist ein wissenschaftliches he- , bräisches Lexikon. Ich möchte ferner kurz das große Sammelwerk | nennen, dem Bialik sein Leben widmen wollte, und das ihm durch \ unsere Schuld nicht gelang. Er hat uns mit dem „Sefer Haagada4'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.