Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 479)
- Language
- German, English, Hebrew
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474 j6. Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte Uber Kulturfragen Schöpfung der hebräischen Literatur, des hebräischen Theaters, der Pflege der Musik und der Wissenschaft gewidmet haben. Während Palästina Zehntausende von Menschen aufnimmt und vielen ungezählten Berufstätigen freigebig zahlt, vielleicht sogar mehr zahlt, ab ein armes Volk zahlen dürfte, während sogar hebräische Schriftsteller, wenn sie Uebersetzungsarbeiten machen oder Unterricht geben, oder Beamte ihren Lebensunterhalt finden, findet der hebräische Künstler, der seinem Schaffen treu bleibt, niemanden, der ihm hilft. Kr ist heute das einzige Stiefkind der hebräischen Gesellschaft Palästinas, so daß man den Grundsatz aufstellen könnte: gerade derjenige, der sein Leben dem hebräischen Schaffen aufrichtig weiht, findet in Palästina nicht die Möglichkeiten, die sonst jeder Mensch findet. Man darf sich hierüber auch nicht wundern, denn große Teile des Ji schuw, und zwar gerade die kräftigsten, die bereits am stärksten ver wurzelt sind, empfinden kein Bedürfnis nach hebräischem Schaffen. WER SOLL DER TRÄGER DER HEBRÄISCHEN KULTURARBEIT SEIN? Wer möchte es auf sich nehmen, diese Situation zu ändern? Wc möchte die Sorge für die kulturelle Vorbereitung der einwandernde!: Massen in der Diaspora übernehmen, wer möchte dafür sorgen, daU das Volk eine tiefergehende Erziehung erhält, wer möchte sich um die hebräische Literatur und das übrige hebräische Schaffen kümmern: Manche geben hierauf die Antwort, daß eine besondere Organisation, parallel zur Zionistischen Organisation, hierfür geschaffen werden solle. Diejenigen, die ein gutes Gedächtnis haben, werden sich daran erinnern, daß Achad Haam auf der Minsker Konferenz vorschlug, eine besondere Parallelorganisation für kulturelle Angelegenheiten zu schaffen. Seitdem kehrt dieser Gedanke in den verschiedensten Formen immer wieder, proklamiert man ihn ohne Unterlaß und schafft für ihn Tribünen. Nach der Minsker Konferenz gab es solche im Haag, in Berlin und nochmals in Berlin — eine vor, die andere nach dem Weltkriege — Komitees und wieder Komitees zur Verbreitung des Gedankens eines hebräischen Weltverbandes, und immer wieder wurde die Forderung erhoben: schafft den hebräischen Weltkongreß! Nach jahrzehntelangen Vorschlägen, Proklamationen und Versuchen darf man heute bekennen, daß dieser Gedanke kein glücklicher war. Wäre es möglich, die hebräische Kultur mit Resolutionen, Forderungen und Klagen gegen die Zionistische Organisation zu schaffen, dann wäre die hebräische Kultur schon längst wieder errichtet. Alles, was jedoch bis heute auf diesem Gebiete geleistet wurde, ist das Werk einzelner und Gruppen auf dem Boden, den die zionistische Bewegung dafür bereitet hat. Nur sehr, sehr wenig, was geleistet wurde, darf auf Rechnung der Komitees und Weltorganisationen gesetzt werden. Ich glaube, bei uns weiß man noch nicht, daß nationale Organisationen und Kongresse nicht mit den Händen geschaffen werden. Die „Offenbarung der Schechina" kann nicht durch Menschenkraft herbeigeführt werden. Der Zionistenkongreß Herzls und die von ihm