Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 477)
- Language
- German, English, Hebrew
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472 26. Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kultur fragen dem Eindringen in die gesamt-europäische Kultur, mit der Annahme einer höheren Bildung zu verknüpfen. Es gibt jedoch auch eine Assimilation an die Unwissenheit und Unbildung, eine 'Assinülation, die mit Bildungslosigkeit und Unwissenheit verknüpft ist. Die Assimilation, die sich heute in den großen jüdischen Zentren breitmacht, steht in keiner Verbindung mit Emanzipation, mit wirtschaftlichem und geistigem Aufstieg. Ihr wesentlicher Inhalt ist Entnationalisierung, Loslösung der jüdischen Massen von ihrem nationalen Wesen. Zwar lehnt uns das herrschende Volk aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ab und stößt uns in das Dunkel des Ghetto zurück, gleichzeitig aber raubt es uns die Möglichkeit eines selbständigen, geistigen Lebens. Ich will hier keinen umfassenden Ueberblick über die Situation geben, sondern mich mit einigen Strichen begnügen. Das -polnische Judentum, das vor einer Generation fast völlig im Cheder erzogen war, wenn die Form dieses Cheders auch die allerrückständigste war, schickt heute 200.000 Kinder in polnische Schulen. In Karpatbo- Rußland, der Heimat des primitivsten Qiassidism.us, werden die meisten jüdischen Kinder, Kinder mit langen Peot und Käppchen, deren Eltern Anhänger des Rabbi von Munkacs sind, wenn sie vielleicht auch noch eine Stunde täglich beim Rabbi „lernen", in fremden Schulen erzogen. Hier erhalten sie sozusagen ihre Elementarbildung. Dabei ist dieses kleine Judentum nicht einmal einheitlich assimiliert. Ein Teil der Kinder lernt in der ungarischen Sprache, andere besuchen tschechische Schulen, andere wieder erhalten ihre Erziehung in der russischen Sprache und in dem Dialekte dieses versprengten Teiles des russischen Volkes. Es handelt sich aber nicht nur um die Sprache allein. Die Sprache ist ja für uns die Pforte zu den geistigen Gütern des Volkes. Für die junge Generation, die hebräisch erzogen wird, ist die hebräische Sprache die Pforte zur menschlichen Kultur überhaupt, zur Kultur der Arbeit, zu einer Kultur, die neue geistige Werte schafft. Für große Teile des jüdischen Volkes eröffnet die Assimilation heute nicht die Pforten zur Bildung und Erkenntnis, und sie haben zur menschlichen Kultur keinen anderen Zugang als die hebräische Sprache. j DIE GEFAHR EINES NEUEN HELLENISMUS IN PALÄSTINA, j Wenn Sie glauben, daß die einzige Gefahr, die dem kulturellen Antlitz des Jischuw droht, die Masseneinwanderung ist, befinden Sie j sich in einem Irrtum. Palästina selbst birgt heute trotz unserer Erj folge große Gefahren. Das Schreckbild eines Hellenismus steht heute \ in einer neuen Auflage erschreckend vor uns. Auch die hebräische j Schule, die hebräische Schriftstellergemeinde, die hebräische Presse und das hebräische Theater ändern nichts an dem Gesamteindrucke, daß j wir ein Spräcbenbabel vor uns haben. Vielleicht ist diese Situation 3 natürlich, wie sie natürlich ist in Hafenstädten und in Ländern großen Einwanderungsstromes. Das vermindert jedoch die Gefahr nicht. Wenn man fragt, wer dem Lande diesen Charakter eines Sprachenbabels \ gibt, so lautet die Antwort wie in alter Zeit: gerade die am besten