Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 476)
- Language
- German, English, Hebrew
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B. Katznelson 471 gäbe in Palästina fehlt — was müssen wir tun, damit diese Menschen uns nicht zum Verderben werden, was müssen wir tun, damit sie in unserer Mitte Wurzel schlagen, sich mit dem Aufbau des Landes verknüpfen? DIE ASSIMILATION DER JÜDISCHEN MASSEN OSTEUROPAS. Die heutige Massenalijah ist nicht wie die erste und zweite Alijah. Damals lebten die großen Massen des jüdischen Volkes, abgesehers von kleinen Teilen, die assimiliert waren, ihr historisches Leben: damals bestand noch der hebräische Cheder, die volkstümliche hebräische Erziehung, und das jüdische Volk schöpfte in seinem größten Teile noch aus den tiefen Schichten seiner Kultur. Heute ist die Situation völlig anders. Zwischen uns und den früheren Einwanderungswellen steht der Weltkrieg, und die tiefe Kluft, die er aufgerissen hati läßt sich nicht wieder ausfüllen. Von dem alten naiven Glauben, den wir hatten, ist vieles verloren gegangen. Vor einer Generation glaubte man in der jüdisch-nationalen und zionistischen Welt, daß die Gefahr der Assimilation nur für die wenig zahlreichen jüdischen Gruppen in den westlichen Ländern gelte. Diese Grupen, die eine Minderheit in ihrer Umgebung bildeten, könnten, so glaubte man, gegenüber dem Lichte der Emanzipation keinen Bestand haben. Wir anderen dagegen, die großen Massen in Osteuropa, die, wie man damals sagte, in kompakten Massen lebten, — dort, in den Ländern der dichten jüdischen Siedlung und des nationalen Zusammenhanges, würde die Kraft vorhanden sein, sich gegen die Assimilation zu behaupten. Der Weltkrieg brach aus und seine Folgen machten diesen Glauben zunichte. Das osteuropäische Judentum befindet sich heute freiwillig und zwangst läufig in der GefaJ?r einer neuen Assimilation, Die tragischeste Erscheinung in der Geschichte des jüdischen Volkes ist der national^ Untergang, der dem russischen Judentum aufgezwungen wird, seine Losreißung von dem Leben der Nation überhaupt und dem Mutterboden der hebräischen Kultur. Dieser Teil des jüdischen Volkes, der der bedeutsamste Faktor für die Schaffung der neuen hebräischen Literatur war und für die Renaissancebewegung des jüdischen Volkes die entscheidenden Kräfte stellte, dieser Teil des jüdischen Volkes* der uns das Genie der hebräischen Dichtkunst unserer Zeit und die größten Geister im Bereiche der jüdisch-nationalen Bewegung geschenkt hat, dieser Teil befindet sich bereits fünfzehn Jahre in den Fesseln einer ihm aufgezwungenen Assimilation. Vielleicht, daß Teile dieses russischen Judentums sich freiwillig der Assimilation hingeben, wie ja immer, wenn sich die Tore der Freiheit vor einem Teile des Judentums! öffnen, Gruppen in ihm sich freiwillig assimilieren, der größte Teil des russischen Judentums jedoch ist das Otfer eines grausamen Assimilationszwanges. Aber auch die Lage anderer großer jüdischer Gruppen, des polnischen Judentums, des rumänischen, litauischen und karpatho-russischen, ist heute nicht besser. M#n kann das nicht Assimilation im landläufigen Sinne nennen. Wir pflegen den Begriff Assimilation mit