Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 462)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grossmann, Goldmann, Wehmann 459 licher Kolonisation, das von einer gewissen Seite so oft bekämpft wurde, gerade unser Streben nach organischem Wachstum, nach Verwurzelung im steinigen, undankbaren Boden Palästinas war dazu bestimmt, die Gefahr zu bannen, vor der Herr Stricker uns hier gewarnt hat. Ich glaube, die Sicherheit des Jischuw in Erez Israel liegt? nicht in proklamatorischen und deklamatorischen Erklärungen über den Judenstaat, sondern im Aufbau einer normalen gesellschaftlichen Struktur im Lande (Stürmischer Beifall). Die Vorbedingungen dieser normalen gesellschaftlichen Struktur aber sind uns zum Teil von viel kompetenterer Seite, als ich es bin, mitgeteilt worden. Unser alter und bewährter Freund Dr. Ruppin, der sich die Finger an einer 2jjährigen Arbeit in der jüdischen Kolonisation verbrannt hat — eine sehr ehrenwerte, aber keine leichte und angenehme Aufgabe — erzählte uns, wie ungefähr eine normale Struktur aussehen muß. In diesen» sechs oder sieben Jahren aber hat man gerade diese Bestrebungen und die Träger dieses Aufbaues aufs schärfste bekämpft, im Namen einer proklamatorischen Formel, die vielleicht schön ist — man kann sich kräftig an die Brust schlagen und sagen: Ich will einen Judenstaat, und wer darüber schweigt, ist ein Anti-Judenstaatler — eine Formel, die leicht ist, durch die aber nicht eine einzige Kuh in Palästina einen Liter Milch mehr geben wird (Lebhafter Beifall). Es ist Mode geworden — und wie es sich christelt, so jüdelt es sich — Angriffe auf den Marxismus zu machen und von der Diktatur des Proletariats zu sprechen. Manches hat Dr. Wise schon hervorgehoben. Ich bin kein Marxist, ich weiß nicht, ob ich ein Bourgeois bin, ein Kapitalist bin ich sicher nicht (Heiterkeit), aber mein Nichtmarxismus hat einen anderen Sinn als die modern gewordenen Angriffe auf den Marxismus. Ich bin nur ein Chemiker, und es war mir möglich, den Lauf der Wissenschaften in den letzten Jahren zu verfolgen. Ich glaube, der wissenschaftliche Materialismus, der mit Hegel und Darwin begann und sich heute fortentwickelt hat zu den Ansichten von Einstein, Eddington und Gines, weist darauf hin, daß die Grundlagen des historischen Materialismus heute nicht so feststehen, wie es vielleicht vor zwanzig Jahren der Fall war. Ich will Sie nicht mit einer Dissertation über Materialismus aufhalten, aber das eine möchte ich sagen: In einer Welt, in der die Demarkationslinie zwischen Materie und Energie geschwunden ist, bei der, mehr als das Programm der Judenstaatspartei, die Gravitationslehre Newtons erschüttert ist, in einer Welt, in der die wissenschaftlichen und ökonomischen Grundlagen in einer tiefen Krise begriffen sind, wäre es für einen wissenschaftlich halbwegs disziplinierten Menschen unrichtig, sich auf die eine oder die andere Form der Gesellschaft festzulegen. Und so erscheint mir heute der sogenannte historische Materialismus als eine geniale Einseitigkeit. Aber in den ökonomischen Grundlagen dieses Materialismus — und da möchte ich mich zu unseren Freunden von der Rechten wenden — liegt doch etwas, was vielleicht die Seele der prophetisch-jüdischen Lehre darstellt. Und in der Histadruth, zu der — ich freue mich, es zu sagen