Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 455 (sequence 458)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wise 455 anderseits ein Ende zu machen. In Erez Israel sehen wir den eisten organisierten Versuch des jüdischen Volkes, sein Leben, das individuelle sowohl wie das kollektive, auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit einzurichten. Das ist die höchste Leistung der Chaluzim, der Pioniere — nicht die Dunam, die sie kultiviert haben, sondern ihr Pioniertum, das darin besteht, die alten Prophezeiungen in die Gesetze und die Praxis des heutigen jüdischen Lebens in Erez Israel umzusetzen. Es war ziemlich leicht, die Errungenschaften der Histadruth oder der Arbeiterpartei zu loben und zu benützen, so lange ihre große Arbeit getan wurde zu einer Zeit, in der die Welt ungehindert dem Ziel des Sozialismus und des politischen Liberalismus zustrebte. Jetzt aber zeigen sich andere Sturmsignale. Manche Völker und Gruppen sind des Liberalismus und der Demokratie müde und halten es tür richtig, den sogenannten Totalstaat, befreit von den Formen der Demokratie und des Parlamentarismus, zu akzeptieren. Sollen wir Juden uns dem Rufe gegen den Liberalismus und die Sozialdemokratie anschließen? Sollen wir Juden, deren Geschichte ein ununterbrochener Beitrag zu diesen Ideen ist, jetzt der Welt sagen, daß wir uns, weil der Kampf um Demokratie und Gleichheit uns nicht all das gegeben hat, worauf wir gehofft und wovon wir geträumt haben, mit denen vereinigen, die das Wesen der Demokratie zerstören wollen? Darin läge das gefährliche Zugeständnis, daß wir nicht mehr als oberflächliche Freunde von Ideen sind, zu denen wir uns bekannten und denen wir dienen wollten. Dieser Geist führt zu einer neuen bedauerlichen Haltung gegen die Histadruth, die das, wenn auch nicht vollkommene Symbol für die tief eingewurzelte, ewige jüdische Leidenschaft für menschliche Gerechtigkeit ist. Die Haltung will die Histadruth durch eine neuere, schönere Lebensordnung sichern, als sie Menschen je gekannt haben. Gegen die Histadruth stehen heutzutage — abgesehen von den ehrlichen und vielleicht unvermeidlichen Differenzen zwischen dem Misrachi und den Arbeitern, zwischen den Allgemeinen Zionisten und den Arbeitern — zwei Gruppen: die einen, die den Fortschritt des Liberalismus auf dem Wege zur Erreichung sozialer Gerechtigkeit offen unterdrücken wollen; die anderen, die Schüler und Opfer der niedrigsten Form der Assimilation sind. Seinerzeit glaubte die Assimilation, um nur einige ihrer Vertreter unter den deutschen Juden wie Rießer, Lasker und Bamberger zu nennen, ehrlich, wenn auch irrtümlich, an die idealistische Sache der menschlichen Befreiung, der menschlichen Gleichheit und Brüderlichkeit. Die neue jüdische Assimilation, die Assimilation der Naumannianer in Deutschland und verschiedener Gruppen in Palästina ist die Assimilation von Menschen, die bereit sind, die große jüdische Tradition preiszugeben und die Kraft der Reaktion, die zeitweilig im Aufstieg ist, zu benützen, um jeden jüdischen Faktor und jede jüdische Kraft, die für den Fortschritt kämpft zu zerstören. Die frühere Assimilation hatte Ideale, wenn auch irrtümliche, die neue Assimilation betrachtet jedes menschliche und soziale Ideal als