Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 456)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wise 453 ist fest und unabänderlich: „Obgleich die ganze Welt es vergessen hat, sind wir noch ein Volk44 (Lebhafter Beifall). Der Kampf des Judentums um die Gleichberechtigung, den die deutschen Juden führten, war eine der schönsten Früchte des Liberalismus. In diesem Kampfe für die Gleichberechtigung haben viele den großen Fehler begangen, zu meinen, Gleichberechtigung könne nur durch Verwischung der Individualität erreicht werden, als ob überhaupt ein Aufgeben der Individualität möglich wäre. Die Aufgabe der Individualität im Interesse der Gleichberechtigung bedeutete einen doppelten Verzicht: den auf die Gleichheit und den auf die Individualität. Das war der schwere Fehler, zu dem der Kampf für die Gleichberechtigung geführt hat. Eine Erklärung für die Gründe, die zu diesem Fehler geführt haben, ließe sich finden. Es liegt jedoch etwas Furchtbares in der Vorstellung, daß wir, weil wir Gleichberechtigung mit anderen Völkern erreicht haben, unsere Individualität und Rassenreinheit verwischen und aufgeben sollen, daß wir, um die Gleichheit der Juden mit den Nichtjuden zu beweisen, uns in Liebhaber der Teutonen oder in Pseudo-Arier verwandeln mlüssen, während Arier nie daran gedacht haben, sich den Semiten oder Juder. anzuähneln. Ich sage diese Worte nicht als Vorwurf gegen die Leute, die nicht nur bereit sind, ihre Charaktereigenschaften aufzugeben, sondern auch ihren Charakter als solchen, — denn wer kann unglücklichen und tragisch irregeleiteten Massen Vorwürfe machen? Wenn dagegen alle Juden in Deutschland sich als Juden, als deutsche Juden betrachtet hätten, so hätten sie heute nicht diese menschliche Erniedrigung erlitten, und man hätte ihnen nicht das Recht genommen, sich deutsche Juden zu nennen. Wenn sie aus eigenem Willen sich als sich selbst achtende deutsche Juden angesehen hätten, statt als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, so wären sie vielleicht noch heute frei, sich deutsche Juden zu nennen, und stünden nicht vor der Gefahr, den Status als Staatsbürger zu verlieren — eine schreckliche Vergeltung, ein niederschmetterndes Unheil! Das Unheil, das über die deutsche Judenheit und damit über das Weltjudentum gekommen ist, ist das größte seit* 1492. Leider gibt es heute aber nicht einen Kontinent wie Amerika, das im Laufe von Jahrhunderten mehr als ein Viertel der Juden der Welt aufgenommen hat. Infolge zeitweiliger ökonomischer Schwierigkeiten, die England und Amerika bedrücken, sind diese Länder für eine neue Einwanderung gesperrt. Im Jahre 1492 kamen manche Juden aus Spanien nach Italien, andere flüchteten nach Holland und den deutschen Ländern, manche gingen nach der Türkei und Griechenland, einige der spanischen Flüchtlinge fanden eine Heimat in Kleinasien. Es gibt aber noch eine Parallele zwischen Spanien vom Jahre 1492 und Deutschland im Jahre 1933. Ich wage zu behaupten, daß seit Bestehen des Christentums die Juden in keinem Lande, nicht einmal in Spanien, so viel zur Wohlfahrt des Landes beigetragen, in keinem Lande mit solcher Treue, so ausgezeichnet, so genial für das Land gewirkt haben wie im früheren Deutschland. Ich möchte zur Erinnerung der Welt nur