Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 448 (sequence 451)
- Language
- German, English, Hebrew
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448 jj. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte kennen, die Dinge so zu regeln, daß jüdisches Kapital ins Land kommt, ohne in die Taschen der anderen zu fließen, daß Kultur im Lande geschaffen wird, ohne den Lebensstandard der anderen zu heben, daß eine hoch entwickelte Landwirtschaft im Lande geschaffen wird, ohne die Arbeitsverhältnisse der anderen zu beeinflussen? Gibt es einen solchen IPeg? Es gibt kernen! Es ist ein Muß. Es gibt keinen anderen Weg, das Land aufzubauen und zu kolonisieren, als den dieser wirtschaftlichen Solidarität; es gibt keine Möglichkeit, die Größe der Wirtschaftseinheit herabzusetzen, es gibt keine Möglichkeit, Boden zu kaufen, ohne den wirtschaftlichen Aufstieg der anderen. Die Synthese kann nur durch ihren wirtschaftlichen Aufstieg kommen, nicht durch ihren Niedergang, nicht durch die Erweiterung der Kluft, sondern, durch ihre Verkleinerung. E's mag möglich sein, daß sich dies im Laufe einer gewissen Zeit ändert; der historische Prozeß in seiner Totalität ist ni.cht anders. Nehmen wir z. B. die Besiedlung des Scharon — wie hätte man Boden kaufen und den Scharon kolonisieren, blühende Orangengärten anlegen, große jüdische Siedlungen schaffen, mit Hilfe des Scharon Tel Aviv aufbauen können, wenn nicht den Arabern dieses Gebietes die Möglichkeit gegeben worden wäre, sich zu beschränken? Wir konnten sie nicht ins Meer werfen Nur dadurch, daß sie die Möglichkeit erhielten, sich zu beschränke^ hatten wir Erfolg. Ihre Einschränkung aber wurde ermöglicht durch ihren wirtschaftlichen Aufstieg. Das ist eine logische, zwangsläufige Kette, eine Konsequenz, vor der es kein Entweichen gibt. Wenn wjir aber so sprechen, als ob es einen Gegensatz gäbe, wenn wir ihnen nicht gönnen, daß sie von unserem Aufbau Nutzen ziehen, wenn wir davon sprechen, daß hier Erez Ismael aufgebaut wird, werden sich viele freuen, von uns diese Auffassung zu hören, aber die umgekehrte Konsequenz ziehen und sagen: „Es stimmt, Eure Interessen stehen im Gegensatze zu unseren, und deswegen ist es Euch verboten, hierher zu kommen.44 Möglich, daß es auch unter der jüdischen Jugend Leute gibt, die diese Analyse anstellen und zu dieser Konsequenz gelangen. Die Wirklichkeit ist jedoch anders, und wir müssen einer solchen Problemstellung entgegentreten, Wir werden auf keine Möglichkeit der Ausbreitung unserer Landwirtschaft verzichten, wir müssen jedoch wissen, daß wir dies nur erreichen können, wenn es uns gelingt, die Fläche der anderen einzuschränken. Einschränken werden wir sie aber nur dann können, wenn sie die Möglichkeit haben, ökonomisch aufzusteigen, nicht zu sinken. Wenn es in Palästina schwer ist, Boden zu kaufen, so ist es nicht nur deswegen, weil es einschränkende Gesetze gibt, und nicht nur, weil es Spekulation gibt oder weil es Feindschaft und feindliche Propaganda gibt, sondern die Schwierigkeit liegt darin, daß das Land bewohnt ist, daß die Mehrheit des Volkes, das darin wohnt, auf dem Boden sitzt, ihn bearbeitet, ihn bearbeiten will und dazu das Recht hat. Wir geben die Hoffnung nkht auf, große Bodenflächen zu erwerben, aber wie werden es nur tun können, wenn wir Wege finden, den anderen Teil der Bevölkerung wirtschaftlich so zu heben, daß er sich auf