Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 450)
- Language
- German, English, Hebrew
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Shertok 447 Ich brauche nicht daran zu erinnern, wer es war, der die Fahne de» Aufruhrs gegen die Gefahr des historischen Verrats an Erez Israel erhoben hat. In Rußland wurde diese Fahne erhoben, und der Mann, der es tat, sagte: „Dies ist das Land, so wie es ist, mit seinem Sand und seinen Felsen, nicht nur mit seinem türkischen Regime, sondern auch mit seinen Bewohnern, wie sie sind!" Es genügt aber nicht, sich in dieser Sache theoretisch zu entscheiden. Wenn man an die Tatr an die Verwirklichung geht, muß man auch die Konsequenzen ziehen. Das aber ist ein sehr schwieriger Prozeß; er ist mit viel Schmerz und! viel Leid verbunden, er verlangt viel Strenge und Grausamkeit gegen sich selbst. Aber das ist unabweisbar, ohne das kann man sich in schwere Widersprüche verwickeln. Es können Opfer fallen, seelische Opfer. Wir bauen unser Haus in einem bewohnten Lande, wir finden kein weites, leeres Territorium, das frei von Menschen ist; wir schaffen einen Körper da, einen Körper dort, wir bemühen uns, diese Körper zu vereinigen, manchmal erfolgreich, manchmal ohne Erfolg. Sind wir denn abgekommen von der Vision des Mannes, dessen Bild hier zu unseren Häupten hängt? Nein! In jeder Zelle des Werkes, das wir im Lande verwirklichen, weht etwas von seinem Atem, in jeder einzelnen Zelle, die wir im Laufe aufbauen, steckt ein Kern des Staates und unserer Vision von unserer zukünftigen Kraft in diesem Lande* von der Leistung, die wir dort vollbringen wolle* .- von den großen Massen, die wir dort auf dem Boden festsetzen wollen, von der Kultur, die wir dort Sichaffen wollen, von der Freiheit, die wir dort haben werden. Diese Vision haben wir ganz unversehrt bewahrt. Wir sind jedoch verpflichtet, zu wissen und aus dieser Erkenntnis die Konsequenzen zu ziehen, daß in diesem Lande ein anderes Volk sitzt und sitzen wird. Und wir müssen uns davor hüten, so zu sprechen, daß der Eindruck entsteht, als ob wir einen Gegensatz zwischen unserer Entwicklung und den Interessen dieses Volkes sehen. Es ist wahr, daß in diesem Volke eine politische Richtung herrscht, welche sagt: Dieses Land gehört nur mir. Wir aber sagen diesem» Volke: Es ist eine Entscheidung der Geschichte, daß auch wir hierher kommen, daß auch wir in diesem Lande sitzen, als seine Söhne, seine Bürger, zusammen mit euch. Und wenn das ein Widerspruch, ein Gegensatz ist, so wird die Geschichte darüber entscheiden. Wir werden in dieses Land kommen, so lange es Platz gibt, und wenn es keinen mehr geben wird, werden wir eben Platz schaffen und weiter hineinkommen. Eigentlich kommen wir ja die ganze Zeit auf einen Platz, den wir uns mit eigenen Händen schaffen. Gewiß gibt es einen Gegensatz zwischen zwei Völkern, von denen jedes wünscht, die Geschichte möge anders verlaufen und das ganze Land ihm allein gehören. Wenn wir jedoch die Araber akzeptieren als Menschen mit menschlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bedürfnissen, gibt es da einen Gegensatz zwischen uns und ihnen oder besteht die Möglichkeit einer Harmonie? Manche sind darüber betrübt, daß wir auch den arabischen Jischuw bauen. Gibt es einen Ausweg? Gibt es einen Weg, unter den bestehenden wirtschaftlichen Verhältnissen, wie wir sie