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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 446

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 446 (sequence 449)
Language
German, English, Hebrew
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446 Kongreß-Sitzung: Generaldebatte zu sein. Aber diese Grausamkeit ist geboten im Interesse der grundsätzlichen, radikalen Lösungen, damit überkommene Begriffe und Gewohnheiten, die wir aus fremder Umgebung übernehmen, uns nicht in unseren wichtigsten Bemühungen um die Rettung schwächen. Ich sage, diese Begriffe, die uns gefangen halten, haben wir aus fremder Wirklichkeit übernommen. Nicht wir haben Parolen wie Protest und Boykott erfunden. Andere Völker tun das Gleiche, und wir ahmen ihnen nach. Wir entleihen diese Instrumente von den andern und benützen sie. Aber bei anderen Völkern sind diese Worte Ausdruck deo Kraft, Manifestation einer vorhandenen Kraft. Das ganze Wesen unserer Bewegung aber besteht darin, erst diese Kraft zu schaffen. T:s geht nicht an, daß ein Volk, das noch keine Kraft hat und sie erst schaffen muß, das seine Wirklichkeit, seine Selbständigkeit erkämpfen muß, die traditionelle üakiik und die Begriffe anderer Völker, die Kraft besitzen und deren Wirf*rchkerT eine ganz andere ist, übernimmt. Das ist ein sehr schwieriges Kapitel, besonders schwer deswegen, weil jemand, der iip Namen der Exekutive spricht, nicht die gleiche Redefreiheit in Anspruch nehmen kann, wie sie die Kritiker genießen, weil er den Feinden keine Waffe in die Hand geben will, weil es Dinge gibt, die nur dur,ch die Tat und nicht durch Reden vertreten werden können. Das ist ein sehr schwerer Konflikt, bei dem der Zionismus nach meiner tiefsten Ueberzeugung die höchste Anstrengung verlangt, sich der Forderung der Stunde anzupassen. Es gibt ein anderes Kapitel, das hier von einem Redner berührt wurde und das, meiner Meinung nach, gleichfalls weit energischeres Bemühen verlangt, sich der Wirklichkeit, in der wir leben, anzupassen. Der Präsident des Keren Kayemeth hat hier über die Lage dieseo Fonds und seine Tätigkeit im Lande gesprochen, des Fonds, der die Grundlage unserer Aufbauarbeit schafft. Ich werde mir nicht das Recht anmaßen, seine Worte zu bewerten, sie sind über jede Kritik erhaben. Aber es gibt einen Punkt,^über den ich mir erlauben werde, den Versuch zu machen, mit Ussischkin zu einer gegenseitigen Verständigung zu kommien. Als er darüber sprach, auf welchen Gebieten und in welcher Richtung das Werk der Erlösung des Bodens sich in den letzten Jahren bewegen mußte, wies er auf die Entwicklung hin* die im Lande vor sich geht, auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der Massen und des Mehrheitsvolkes im besonderen als auf einen Faktor, der die Erlösung des Bodens störe, der uns die Ausbreitungsmöglichkeiten nehme. Ussjschkin ging sogar noch weiter; ich will ihm dahin nicht folgen und seine Worte nicht wiederholen. Es ist nicht das erste Mal, daß wir diese Behauptung hören. Ich dachte immer, das komme daher, daß man die Welt mit Augen ansieht, die die Welt in einer anderen Vision sahen. Der Zionismus begann mit einer großen primären Vision: ein Land, ein ganzes Land» das ganze Land. In einer bestimmten Epoche ist der Zionismus gleichsam in einen Widerspruch zu dieser Visiop geraten. Es gab manche, die sagten: „Nicht dies ist das Laaid, weil nicht das ganzö Land uns wird gehören können; denn es ist ein bewohntes Land!"

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