Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 445 (sequence 448)
- Language
- German, English, Hebrew
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Shertok 115 kommenheiten bei der Haavara verantwortlich machen. Das ist der erste Widerspruch. Es gibt jedoch einen viel grundsätzlicheren Widerj Spruch. Man kann nicht gleichzeitig eine umfassende Kolonisationstätigkeit, eine starke Alijah und eine Konzentration jüdischen Kapitals und die Rettung von Juden verlangen und über die Angelegenheit Deutschlands so sprechen, wie es hier geschehen ist. Was bedeutet die Gegnerschaft, die hier zum Ausdruck kam? Was für Konsequenzen müssen wir daraus ziehen? Dürfen wir jüdisches Kapital retten oder dürfen wir es nicht? Retten bedeutet vor allem, Juden aus Deutschland zu retten. Müssen wir die Juden aus Deutschland nach Palästina bringen oder nicht? Und wenn wir sie nach Palästina bringen müssen, sollen wir auch ihr Geld retten, das wenige Geld, das sie noch mitbringen können oder nicht? Und wenn man sie retten muß mit all dem, was ihnen noch übriggeblieben ist, wie kann man das ohne Waren tun? Wo ist der kluge Wirtschaftler, der eine Möglichkeit sieht, heute Kapital aus einem Lande in das andere zu bringen, ohne dabei einen Warenverkehr hervorzurufen? Schreckt man davor zurück, so bedeutet das: kein Kapital transferieren und keine Juden aus Deutschland retten und nach Palästina bringen! Es gibt keine Flucht vor dieser Konsequenz. Man muß zu einer klaren Konsequenz kommen. Es geht nicht an, diese Last den Juden Deutschlands und gewissen Institutionen in Palästina aufzubürden, an sie Forderungen zu stellen und nachher zum Kongreß zu kommen und sie für das Mißlingen des Kampfes der Juden in der Gallith verantwortlich zu machen. Gibt es denn für die Juden in der Galuth, für das jüdische Volk einen entscheidenderen Kampf? Hat das jüdische Volk eine stärkere Hoffnung auf den Erfolg seines Existenzkampfes in der Galuth als den Aufbau von Erez Israel? Sind wir bereit, daraus alle Konsequenzen zu ziehen oder nicht? Und wenn wir Zionismen alle diese Konsequenzen daraus ziehen, sind wir bereit, in die jüdische Gasse zu gehen und aufzuklären, zu kämpfen und zu verteidigen, oder nicht? Wir hatten in der jüdischen Gasse mehr als einen Kampf zu führen. Wir beherrschten sie nicht. Haben wir alle Begriffe akzeptiert, die dort herrschten, haben wir ohne Widerspruch den Schulchan aruch der politischen Kämpfe in der Golah übernommen, ganz so, wie er war, bevor der Zionismus kam? Was war das Entscheidende im Zionismus? Wa: es nur der Protest? War es nur die politische Tätigkeit in der Diaspora? Oder sagte der Zionismus nicht: Die Lösung ist Erez Israel, und das Gebot der Sttcfide sind Leistungen für den Auf" bau des Landes! Das geht allem voran und alles andere ist nebensächlich. Erschrecken wir vor dieser Konsequenz? Lange Zeit waren wir auch als Zionisten eine Bewegung der Aufklärung, der Deklamation, des Gedankens, erst vor kurzem wurden wir zu einer Bewegung der Verwirklichung. Wir stehen in einer Uebergangsperiode, einer Periode schweren Ueberganges. Es gibt viele Begriffe und Parolen, von denen wir uns nicht befreien können, weil uns der Mut dazu fehlt, sie abzustreifen. Wir zögern manchmal, uns selbst gegenüber allzu grausam