Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 447)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Lebensfrage, weil sie eine Organisation von Menschen ist, deren Ziel es ist, in der Arbeit im Lande Wurzel zu fassen. Abgesehen von allem Idealismus ist es eine Lebensfrage für jedes Mitglied dieser Organisation, und weil sie einheitlich ist, fühlt sie sich verantwortlich fürt das Ganze und kann es auch sein. Unermeßlich ist die Kraft der Initiative, die Menge an Energie, die Leistungsfähigkeit, welche diese Organisation für die politische Tätigkeit an unserer wichtigsten und entscheidenden Front, an der Einwanderungsfront, mobilisieren kann. Aus der Erfahrung unserer politischen Arbeit ist vor jedem Versuch, diese Kraft zu sctnväcben, zu warnen, muß man ein Maximum von Kompromissen fordern. Es ist sehr leicht möglich, daß die Einheit mit Verzicht verbunden ist, mit schwerem seelischen Verzicht, aber man muß die seelische Anstrengung aufbringen, um die Schwierigkeiten zu überwinden, damit wir unsere zionistische Pflicht erfüllen und die Leistungsfähigkeit des ganzen zionistischen Lagers stärken. Es sind hier Worte der Kritik laut geworden, die man sich — wenn man sie ernst nimmt und ich nehme sie zum größten Teil ernst — erklären kann als Folge der großen Entfernung zwischen der Welt der bloßen Rede und Kritik und der Welt der Tat und der Verantwortung. Wir haben ein altes Sprichwort: „Ganz Israel bürgt füreinander.44 Mir scheint, daß ganz Israel auch für seine Abgesandten bürgen muß, und auch bürgen muß für den Teil, an dessen Kehle das Messer sitzt. Ich meine damit die Frage der deutschen Juden. Ich möchte sagen, daß alle, deren Kritik in dieser Frage ernst gemeint war, die gegen die Haavara und alles, was mit ihr im Zusammenhang steht, gesprochen haben, wenn sie selbst die Verantwortung getragen oder in Deutschland gesessen und das Messer an der Kehle gespürt hätten, nicht anders hätten handeln können. Es ist manchmal schwer, etwas in der breiten jüdischen Oeffentlichkeit richtig aufzuklären, in der Oeffentlichkeit, die ihr besonderes Wes^n hat, in der ganz besondere seelische Momente wirken, die es den Menschen unmöglich machen, die Dinge klar zu sehen. Daß man aber bei einem zionistischen Kongreß zu keiner gegenseitigen Verständigung in dieser entscheidenden Frage kommen kann, ist zum Verzweifeln! Es macht auf mich den Eindruck, daß wir in unseren Bemühungen um eine gegenseitige Verständigung in dieser Frage während der beiden Jahre seit dem Kongreß in Prag nicht nur nicht vorwärts gekommen, sondern daß wir heute weiter davon entfernt sind als damals. Es scheint mir, daß es heute noch mehr Schwierigkeiten gibt, noch weniger Geneigtheit, aus grundlegenden Tatsachen unseres zionistischen und jüdischen Lebens, aus dem Boden der Wirklichkeit, auf dem unser Werk in Erez Israel steht und sich entwickelt, die Konsequenzen zu ziehen. Vor allem kann man die Angelegenheit der Haavara nicht in einem Atemzuge völlig verurteilen und ihre Arbeitsmethoden kritisieren. Man kann nicht sagen, die fiaavara sei eine verbotene Sache, für die die Zionistische Exekutive die Verantwortung nicht übernehmen dürfe — tatsächlich ist die Exekutive dafür nicht verantwortlich, weil es so beschlossen wurde — und zugleich die Exekutive für gewisse Unvoll-